104

innert, wie ungefchichtlich die Anficht Derjenigen ift, welche die Wirkungs-Eraft
 der von der Kirche gepredigten Grundfäge dadurch entfräftigt wähnen,
daß in Bertretern der Kirche felbfifüchtige Motive nachgewiefen werden Können.
&amp;8 mag bei. diefer Undeutung über diefen Bruchtheil 1) des Cinfluffes
der Kirche auf die wirthfchaftlichen Verhältniffe des Mittelalters fein Bewen:
ben haben. €$ iff bekannt, wie eng fich alle politifchen und Skonomifchen
Bedingungen jener Zeit an den Srundbefig und feine Formen an[chließen.
Die Kirche ft in diefe BVerhältniffe durchaus nicht aus wirthfehaftlichen
Sründen gefebt worden; Kräfte aus einer anderen Sphäre tragen ihre Wir:
Tungen auf das Gebiet der SEonomifchen Verhältniffe hinüber; fie flehen
unter dem Einfluffe derfelben, fo lange die Kirche die ‚einmal -errungene thatz
Tächliche Macht über die Gemüther zu behaupten vermag, auch wenn vielz
leicht die mwirthfhaftlichen Schäden fich Längft  offenfundig bewiefen haben
und fhmerzlich empfunden worden find. Wenn ein ungünftiges SEonomifches
NRefultat hervortrat, fo muß der gefhichtliche Caufalnerus da ganz verkannt
erfcheinen, wo man Feine andere Alternative fennt, als daß man enttweder
die Erftrebung folcher Folgen oder die NichtEenntnig und Nichtbeachtung
derfelben als wirthfchaftliche Sünde anredhnet, Der ganze Zufammenhang,
in welchem wir jene Erfcheinungen treffen, Harakterifirt eine befondere, von
der unfrigen ganz verfchiedene gefchichtliche Periode, in der wir den Einfluß
der Kirche auf die BVolkswirthfchaft feftftellen Fönnen, ohne daß wir an die
Stelle der Motive jener Zeit die in der Segentwart herrfchenden feßen, für die
allgemeine Grundlage aller Verhältniffe in der erfteren die Fundamente der
leßteren eintreten [affen dürften.
Sanz allgemein aber wird man den Einfluß der Kirche auf die wirthfhaftlichen
 Verhältniffe insbefondere auch deshalb hervorheben müffen, weil
die Pflege der religiöfen Intereffen und die Mahnung zu ihrer Bethätigung
ig dem praktifchen Thun und Treiben des Menfchen ihr eigentlicher und
fortdauernder Beruf ift. Es wird wohl Heutzutage darauf ein großer Nach»
druck gelegt werden dürfen, nachdem e$ wenigffens gefchichtlich beurkundet
ift, daß der Theorie nach die Moral der wirthfchaftlichen Thätigkeit und die
Moral der Religion zwei fehr verfhiedene Dinge find. In der That ift
diefer Gegenfaß fehr groß, wenn man als den Kern jener die Verfolgung des
Cigennubes und Privatvortheils, wenn auch immerhin des foa. »richtig verz

a

Es mag hier nur nod) beifpielsweife erwähnt werden, daß die gefhichtliche
Entwicklung der perfönlihen Arbeit (altclaffifche Sclaverei, germanifdhe Knecht:
[aft, Knechtfchaft der Scholle, Leibeigenfchaft u. f. w.) gar nicht zu tren:
nen ift von ben gefhichtlihen Einflüffen der Kirde. Auch UWdam Smith
erwähnt einmal (III, 2) einer Bulle Xlerander’s IN.; aber es find gar viele
Bullen, Kirhenverfammiunasbefchlüäffe 1t. f. m. zu erwähnen.