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tandenen« feßt, Die Religion identificirt die Selbffliebe mit der Nächftenz
jebe, den Eigennuß mit der Hingebung, und treibt nicht nıre zur Dämpfung
der Selbfifucht, zu Entäußerungen durch Wohlthätigkeit, fondern auch zur
Energie für den Anderen felbft bei eigenem Schaden, zu einer Art von
Heterismus im SGegenfabe zum Egoismus. Es iff aber offendar durchaus
unangemeffen, diefe religiöfen Triebkräfte nur da zu ftatıiren oder nur da
ju finden und in Betracht zu ziehen, wo der Privategoismus gewiffermaßen
al$ laesio enormis auftritt,‘ in »Uebertreibungen« fich geltend macht, welche
Oo zu fagen allen Anftand verlegten 1), vielmehr handelt e$ fich hier natlırz
Ächerweife um ein, continuirlich mwirkendes Motiv in dem Menfchen, das zu
Tärken und Febendig zu erhalten die Kirche berufen erfcheint. Und hiermit
übt fie einen, wenn auch mathematifch unberechenbaren, ficherlich jedoch fehr
3roßen Einfluß auf die öfonomifchen Verhältniffe aus, der gewiß weit höher
in feinen Erfolgen anzufdlagen ift, al8 die Erfolge der negativen vor Ber:
legungen, Beraubungen u. f. w. fchlisenden Staatsmaßregeln, und welcher
am fo ficherer in Anrechnung gebracht werden muß, wenn man in die Ent:
Faltung der Kräfte des Tigennubes die Förderung der Volkswirthfhaft febt.
Diefer Einfluß wird natürlich größer oder geringer fein, je nachdem die
Kirche ihres Berufes mit Kraft und Lauterkeit eingedent {ft oder nicht, und
ie nachdem die religiöfen Triebkräfte des Menfchen in einer Zeit in lebens:
voller Thätigkeit wach und rege find oder nicht. Auch an biefer Stelle wer
den wir gemahnt, die volkswirth[haftlihen Agentien und Erfcheinungen
unferer Zeit al8 ein gefchichtliches Fragment zu begreifen und fie weder als
das Ganze und Allgemeine noch als den Typus aller SEonomifchen Yhafen
und Evolutionen hinzuftellen. Und wenn e8 doch einmal, um das Berhältz
iß in feiner vollen Allgemeinheit zu faffen,. nicht geleugnet werben Fann,
daß die energifche Thätigkeit des Menfchen- für Sewinnung von Sachgütern
nicht an fih mit der Verfolgung der Intereffen zufammenfällt, welche man
— gleichviel ob paffend oder unpaffend — als die »höheren« jenen gegenüber
su ffellen pflegt, fo wird man auch dann die Kirche im Auftrage der Religion
einen. gewaltigen Einfluß auf die Erfolge der wirthfchaftlichen Thätigkeiten
dadurch ausüben fehen, daß fie fortwährend den Menfehen auf die lebendige
Ergreifung jener höheren Intereffen als auf ‚die Hauptfache zur Erreichung
feiner ewigen Beftimmung antreibt, fo daß fie Hier gewiffermaßen ein conz
änuirlih wirkendes Gegengewicht gegen die Mahnungen und Wünfche der
Volkswirthfchaftslehre aufftellt.
Es führt uns diefes unmittelbar zur Ermägung und Beherzigung der
Siftorifchen Thatfache, daß wir in verfchiedenen Perioden der menf{chheitlichen
Sefchichtsentwicklung beftimmte Xdeenrichtunaen und geiftige Strömungen,

” Rau. Ausführliches über dieflen Yunkt fiebhe weiter unten.