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‚Dichten und Denken« bekundet. Darum ift die Literatur einer jeden Zeit
in fo bedeutendes Merkmal des Seiftes, der in ihr waltet, fotwohl in ihrem
Yuftreten an fich, ihrer Gattung nach, als durch die Art und Weife, wie fie
ich einführt und den Strebungen der Zeitgenoffen »das Wort vom Munde
nimmt...

SFegliche allgemeine Schematifirung des empirifchen Lebens wird immer
durch die Detailforfehung gebrochen. Diefe führt immer zur Einficht in die
Mannigfaltigfeit und in das Concrete der Verhältniffe und Entwicklungen.
Uuc) mit der Charakterifirung der drei großen gefchichtlichen Perioden mit
Rückficht auf eine Herrfchaft der politifch = ftaatlichen, der religiös = Firchlichen
und ettoa der individuell: bürgerlichen Intereffen ift wenig gewonnen, wenn
man damit den Sedanken an eine ausfchließliche Wirkfamkeit der entfpre:
chenden Factoren in jenen Zeiträumen oder auch an eine Befhränkung der:
jelben auf fie allein verbindet. Es find immer allgemein menf{chliche, in
der gefhichtlichen Entwicklung nirgends ganz zurücktretende Intereffen, die
fi in einzelnen Zeiten eine vorwiegende Bedeutung zu verfhaffen vermögen
und die auch dann nur wie Strebepfeiler auf dem gefchichtlich fich Ändern:
den allgemeinen Lebensgrunde ficdh erheben, Daher rührt dann die Verfchie:
denheit der Wirkungen und Erfheinungen, wenn wir eine im Allgemeinen
homogene Michtung der geiftigen Strebungen in anderen Zeiten aufs Neue
mit großer Stärke hervortreten fehen. Cbhendeshalb erfcheinen jedoch die Zeiz
;en der Blüthe z. B. des römifchen Staatslebens in der Älteren Zeit immer:
hin trefflich geeignet, ung die weittragenden Wirkungen der auf die politifche
Sröße und Macht des NMationalitaates gerichteten Ideenftrömung zu vers
gegenwärtigen. Ale Triebe, alle Formen, in denen fich das individuelle
menfchliche Leben wie das Leben ganzer Völker zu manifeftiten pflegt, ftehen
unter dem Einfluffe einer gewaltigen Strebekraft, Was gilt die Verwandtenliebe
 und der Jamilienverband gegen die Hingabe an die Sffentlihen
Inteveffen, was der Neichthum aus der Ermerbthätigkeit und der mit ihm
Derbundene Genuß gegen die Mühen und Laften des Kriegsdienftes und das
Andenken der für die Größe des Semeintwvefens auf dem Schlachtfelde Ges
fallenen. Neben der Foloffalen Größe des Staatseigenthums gewahrt man
Baum den geringfügigen Privatbefig mit feinen befhränkten Mechten; den
Staat reich, die Einzelnen arm zu erhalten, gilt alg Weisheit; damit der
Bürger ganz Bürger fein Fönne, erfcheint die Sclaverei nothwendig und gut.
Die Religion und der Firchlihe Nitus dient den yolitifhen Intereffen, der
Krieg ft Eroberungskrieg und Kampf um die Weltherrfchaft, das BVöllerrecht
 ift das NMecht des Stärkeren. Wie ein Makrokosmus fteht das Ges
meintvefen da und auch die getwaltigften Einzelnleben regen fidh nur als
Muskeln deffelden.
Die religtöfen Ideen des Chriffenthums zerfekten ihn, Wie eine Wur: