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zelfafer fich in die dünne Spalte eines mächtigen Felfens drängt, fich dehnt
und dehnt, bis fie die gewaltige Steinmaffe fprengt, fo hatte das Chriftens
um fih in den Koloß des römifchen Staates gedrängt und ihn gefprengt,
ehe die Kraft der Barbarenvölker in ummwarf. Alle feine BSrundgedanken
der Nächftenliebe, der freien Pflicht, der Hingebung, des Neiches von jener
Welt fanden im confradictorifhen Segenfaße zu den Lebenskräften des
römifchen Reiches, ‚Doch bedurfte e8, um die volle Tragweite einer Herr:
fehaft der religiöfen SJdeen zu entfalten, eines Subftrates, das eben die get
manifchen Barbarenvölker darboten. Dann aber gewahren wir auch die
total veränderte Seftaltung aller der Erfheinungen, die. wir vorher erwähnten.
Selbft der Sermane entfagte dem Sihcke des Samilienlebens, um fich ganz
dem überirdifchen Heile zu ‚Leben, die religiöfen Ideen beherrfchen die natio:
nalen, und während man die UArmuth um Chrifti willen fuchte und alle
Büter diefer Welt geringfehäbte, ertwuchs die Kirche zum reichten Befiber,
fo daß felbft die Könige Hagen, wie ihnen fo wenig übrig verblieben ft.
Die Kirche erftrebt mit Erfolg die Herrfchaft Kber den Staat, feine Kraft
dient der Verbreitung des Chriftenthumes aud) mit dem Schwerte, der Krieg
wird zum Kreuzzuge, der Papft fchlichtet die NRechtsftreitigkeiten der Völker,
während fich alle politifche Sefammt£fraft immer mehr durch die internatio:
nalen Mikrokosmen paralufirt.
Wenn jedoch objective Mächte ihren. beherrfchenden Einfluß verloren
Haben und der Individualismus fi Bahn bricht, dann treten an die Stelle
freudiger Opfer für das Allgemeine ungeftüme Unfprüche an daffelde. Der
mächtige Trieb der Einzelnen, Überallbin ihre unbegrenzte Selbftftändigkeit
auszudehnen, ffemmt fi auch gegen die Schranken, welche zum Wohle der
Sefammtheit dem Einzelnwillen auferlegt find. Die Sffentliche Freiheit
wird dann wohl dem Einzelnen gleichbebeutend mit der Herrichaft feiner
Meinungen und Intereffen. Selbft die Hingabe pflegt. fich auf den dem
Einzelnen näher ffehenden Kreis zu befchränken, fie zeigt fich als Hingabe
des Einzelnen für das Wohl feiner Familie, MNMirgends kann fich der nz
dividualismus durchgreifender Senüge thun, als in dem Gebiete des Privat:
eigenthums;. darum fühlt fich SYeder in ibm mehr und mehr recht und
allein zu Haufe; darum wird der Erwerb von Sachgütern zur Lebens:
aufgabe der Menge, der Egoismus die mächtige Triebfeder zu den gewaltig
ten Kraftanfirengungen. Fa durch ihn erfcheint Leicht das öffentliche Wohl
am beften gefördert, wenn von einem folchen überhaupt noch in einem an:
beren Sinne die Rede ift als fo, daß e&amp; mit dem Wohle aller ifolirten Ein
jenen zufammenfällt. Die allgemeine‘ Staatsgewalt fol nur alle Schranz
Sen der individuellen privatrechtlichen Sreiheit, forwwie des individuellen Erwerbs
befeitigen, im Frieden die Wege des Erwerbens fhirmen und ausdehnen,
Krieg nur um der materiellen Intereffen willen führen, in Allem aber die