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vollends erfchüttern Eönnen, wie denn in der That wohl Niemand Heutzutage
leugnen wird, daß der Fortfchritt der wahren Bildung und die Verminderung
der Selbfefucht in dem Individuum Hand in Hand geht. Geht man auf
das Einzelne ein, fo fieht man gar nicht mehr, woher die VBeiwveife hergeholt
fein Eönnen, fobald man von der Tradition abfieht; denn es gehört zu den
{pecielen Eigenthümlichkeiten der englifchen und franzöfifchen Literatur des
vorigen Yahrhunderts, daß fie mit einem geficherteren NMückhalt an dem
Ceben auch der gebildeteren Stände von der Annahme ausging, der Menfch
werde in allen feinen Handlungen von dem Eigennuße beftimmt. Nau
fagt, wenn auch mit einer Schlufmodification (vergl. oben), welche alle Be:
ftimmtheit wieder aufhebt: das Verhältnif des Menfchen zu den Sachgütern,
als den unentbehrlichen Hilfsmitteln zur Erreichung feiner meiften Zwecke,
it unwandelbar. Was heißt das? Sewiß nicht, daß jeder Menfch zur
Erhaltung feines leiblichen Dafeins effen, trinken u. f. mw. muß; denn von
einem zur wirthfchaftlichen Tbätigkeit in Beziehung zu feßenden Gedanken
Bann erft bei dem Begehr nach fachlichen Gütern die Nede fein, und auf
diefe Yuffaffung jenes »unmandelbaren BVerhältniffes« weißt auch beftimmt
die Erklärung Nau’s hin, daß die Volkswirthfchaftslehre die Wirkungen
zu fchildern habe, welche das Verhalten des MenfdHen in Bezug auf Erz
merb, Befig und Gebrauch der Sachgüter innerhalb eines ganzen
Bolkes heroorbringe. Da aber kann man denn doch nicht entfchieben genug
auf die gänzliche Unmwahrheit der Annahme eines unmandelbaren Verhält:
niffes$ und gleichmäßigen Beftrebens gegenüber den fachlihen Gütern bin:
weifen. Mögen wir die Einzelnen oder die verfhiedenen Stände der bürger:
lichen Sefellfchaft, Völker oder Zeiten in Betrachtung ziehen, nirgends finden
wir diefe Annahme beftätigt. Nicht nur, daß fi zwiflchen den Menfchen,
in welchen wir im Allgemeinen das Streben nach der Sewinnung fachlicher
Süter vorherefchend finden, die mannigfaltigften Gradunterfhiede der Stärke
diefes Strebens zeigen, wir finden auch ihnen gegenüber ganze Meihen Anz
derer, in denen bei diefem oder jenem vorherrfchenden Triebe die Erftrebung
fachlicher Güter entfchieden in den Hintergrund tritt; wir müßten die Sprache
und die Beobachtungen aller Zeiten und Völker Lügen firafen, wenn neben
der befonderen Klaffe eigennüßiger Menfchen, und fagen wir zugleich fol:
her Menfchen, welche in der Erftrebung von SGenkffen durch Sewinnung
fachlicher Güter ihre befondere Befriedigung finden, jene mannigfaltigen
anderen Charaktere und Sinnesarten geleugnet werden follen, wie wir
Teloft und Andere vor und neben uns fie jederzeit beobachten Eonnten. Feder
Vorfchritt der Bildung, wie er fich im Leben des Einzelnen zeigt oder als
Unterfheidendes Merkmal ganzer Stände fich feftgefeßt hat, führt zu einer
Vermehrung von Senüffen außer dem Kreife des Verzehres fachlicher Güter,
und ohne daß der Befig derfelben die unentbehrliche Vermittlung abadbe.