150

gefhichtlihen Lebens in dem Fortfchritte der Entwicklung und das pfuychologifche
 Studium des Menfchen darbietet.
Kile Schriftfteller, weiche den Eigennuß als das einzige Motiv der einz
zelnen Individuen in ihrer wirthfchaftlichen Thätigkeit hinffellen und den
Privategoismus in SEonomifchen Dingen als das mächtige Förderungsmittel
 des Gemeintwohles preifen, berufen fid dabei auf die Natur des ges
Thichtlichen Menfchen und die Erfahrungen des Lebens, Im Hindlik auf
jene haben fie den geltend gemachten fittlichen Einwürfen gegenüber fidhh mit
einem Naturam expellas furca tamen usque redibit ficherftellen Fönnen ;
bie leßteren find ganz im Allgemeinen eigentlidh von Niemand geleugnet
 worden, und wo man einerfeits auf Schäden hinwies, gab man fie von
der anderen Seite mit der Zeit als Ausnahmen und als Folgen von Uebertreibungen
 eines an fich gefunden Triebes zu, Wenn ich e8 oben, wohl
ohne Widerfpruch bei den Zeitgenoffen zu finden, als geradezu unwahr hinz
ftellte, daß nur der Eigennuß alle Individuen in ihrer wirthfehaftlichen
Thätigkeit befeele, gefhweige denn das ganze Leben und Thun des Menjchen
 allein beftimme, fo habe ich damit meder die thatfächliche Erfahrung,
daß fehr viele Einzelne in ihrer SEonomifchen Thätigkeit eigennüßige Abfichten
verfolgen, noch das beffreiten wollen, daß wir in allen Menfchen einen auf
den privaten Lebensfreis gerichteten wirthfchaftlihen Trieb wahrnehmen.
Und menn ich, wie wohl gleichfalls alle deutfchen MNationaldfonomen der
Segentwart, e&amp; durch die gefhichtliche Erfahrung unmwiderlegbar bekräftigt
finde, daß die Verfolgung »eigennüßiger« Zmede in der Privatwirthfchaft
das Gemeintwohl in diefem oder jenem Srade und Umfange fchäbdigt, fo halte
ich e8 für ebenfo unmwiderlegbar durch die Erfahrung bekräftigt, daß durch die
Privatthätigkeit, welche man als eigennüßig bezeichnet, das SGemeintwohl viel:
fältig gefördert wird. Die gewöhnliche Lehre erfheint jedoch al® — pfnchoz
logifch und gefhichtlidh — unmwmahr, weil fie auf einem Mangel an der
Unterfcheidung beruht, auf welche Machiavelli’s tieffinnige Bemerkun:
gen hintweifen, daß das Befte in feiner Verkehrung (nicht in feiner ftärkften
Potenz) zum Schlechteften werde und neben allem Guten menfchlicher Ver:
hältniffe dicht der Keim des Böfen anliege. In der phofifchen Natur des
Menfchen liegt derfelbe infkinctive. Trieb, der in allen organifhen Wefen
liegt, der Trieb zur Selbfferhaltung und der Trieb zum Wohlbehagen.
Dem Seifte des Menfchen if das Streben, (ich zu Detbollfchtmmen; fidy zur
Bollendung zu bringen, von der Matur eingeboren. Das VBorhandenfein
biefes Triebes in dem vernünftigen und. fomit fi felbft gegenftändlichen
Menfchen erfheint als Selbftliebe, die ebenfo der menfchlihen Natur an ficd
eigen ift, wie fie felbft durch die Meligion, weiche dem Menfchen immer die
Äberirdifchen Intereffen gegenwärtig wiffen will, geheiligt mird; das Chriften:
um ftellt fie der gebotenen NMächftenliebde gleich; die Se bfiliehe_ des