1833

anderen Liebe an; er fah als die Nuelle alles Nebels die Unwiffenheit und
den Krrthum, als die Nuelle des Suten die Einfiht und Klugheit an, und
in dem Staate war ihm das gut, was nüßlich erfchien. Noch größere Bes
ftimmtheit, noch mehr wichtige Folgerungen wurden durch die Erkenntnißs
theorie eines Lo ke’ (hen Schülers: Condillac (befonders: Traite des
sensations, London 1754) vorbereitet, indem diefer den fhon in des Mei
{terg. Theorie nahegelegten Schluß 309, daß e8 eigentlidy nur eine Quelle
der Borftelungen und Begriffe gebe, die Eindrücke der äußeren Wahrnehs
mung, welche immer entweder von angenehmen oder unangenehmen Cmpfin:
dungen begleitet find; nach ihm if jede Borftelung, jeder Gedanke und Wille
nur eine umgewandelte Senfation, der Menfch fredt und muß {treben nur
nach Luft, die einzige Liebe, deren er fähig ift, befteht in der Selbfiliebe
u. f. w. Bu demlelden Nefultate gelangte Bonnet (fiehe oben), in deffen
naturmiffenfchaftlich  empirifcher Darfiellung fich nur noch mehr die Ethik
in eine Mbyfi£ ummwandelte, mas in voller Schroffheit (hon vor ibm in
Qa Mettrie’s: L’homme machine — und L’homme plante ausgeprägt
war. Helvetius mar e8, weicher (De Vesprit 1758 und De ’homme
[Londres] 1772) mit der Nückfichtstofigkeit des von ihm zugleich benußten
Hobbhes die praktijche Moral formulirte, und fie durch feine allgemein faßz
liche und anfprechende Darftelungsweife für Jedermann zurechtmachte. Nach
Helvetiws hat der Menfh in keBter Inftanz nur ein paffives Bermögen,
die phufifche Senfibilität, alle Operationen des Seiftes Eommen auf das Urz
theil zurück, und Urtheilen felbft ift auch nichts anderes als Empfinden.
Luft fuchen und Schmerz fliehen ift das einzige ber Natur gemäße Sefeb,
dem der Menfch nachgeben muß; das phufifhe SIntereffe {ft feine einzige
Triehfeder, da in ihm Alles phyfilche Empfindung ift. Der Menfch hat Feine
angeborene Leidenfhaften, weder für das Gute, noch für das Böfe; während
die Lafter der. Völker durch ihre Sefeßgebung verfhuldet werden, find die
moralifchen Unterfchiede der Einzelnen — denn in der urfprünglichen Dragas
nifation: der Menfchen giebt e8 Feine Ungleichheit — nur Folgen der Vers
fchiedenheit der Erziehung, der Sefeßgebung oder NMegierung, welche, indem
fie verfhieden auf die jeden Menfchen in AUllem beherrfchende Selbfttiebe eins
wirken, die verfchiedenen Leidenfchaften heroorbringen 1).
Doch e$ mögen der NMachweife aus den Ergebniffen der damals herrs
fchenden Pbilofophie in Irankreih genug fein, Die Bergleichung dem Lefer
überlaffend, will ich die nationaldFonomifche Ausführung Adam Smith’s
in Kürze aeaenüberftellen.

ty Ueber diefen Sag vgl. man namentlid) De Yhomme IN, 2, und De Vesprit
I, 25.