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Die Verfchiedenheit der natürlichen Talente (fo richt fih AU. S mith
in der merkwürdigen Stelle B. I, ch. 2 über die Natur des Menfchen aus)
ft in Wirklichkeit viel geringer, als fie uns erfheint, und die fehr verfchies
dene Fähigkeit, melche Leute von verfchiedenen Berufsarten zu unterfcheiden
Icheint, fobald fie zur Meife herangewachfen find, ift in vielen Fällen nicht
omwohl der Grund als die Folge der Arbeitstheilung. Der Unterfchied zwiz
chen den unähnlichften Charakteren, 8. 5. zwifchen einem Philofophen und
einem gemeinen Laftträger, fcheint nicht fowohl durch die Natur, als durch
Servohnheit, Uebung und Erziehung begründet zu fein, Als fie auf die
Welt kamen, und in den erften fechs bis acht Jahren ihres Lebens, waren
fie wohl einander fehr ähnlich, und weder ihre Eitern noch ihre Sefpielen
fonnten irgend eine erhebliche Berfchiedenheit wahrnehmen. Etwa in diefem
Miter oder bald nachher fing man an fie in fehr verfchiedenen Befchäftigun:
gen anzumenden. Die Verfchiedenheit der Talente beginnt dann bemerkt zu
verden (to be taken notice) und erweitert fich nach und nach, bis zuleßt
die CitelFeit des Philofophen kaum noch irgend eine Nehnlichteit anerkennen
mag. WHber ohne die Luft am Taufchen, Handeln und Auswechfeln würde
id) Sedermann für fich feinen Bedarf und die Senufßmittel des Lebens
Jaben verfhaffen müffen. Alle hätten diefelben. Pflichten erfüllen, diefelben
Werke vollbringen müffen, und es hätte mithin Feine foldhe VBerfchiedenheit
der Befchäftigungen eintreten Können, welche allein eine fo große Berfchieden:
heit der Talente veranlaffen Fonnte (as could alone give occasion to any
great difference of talents).
In diefer Stelle und Überhaupt in den erften Capiteln der Inquiry,
denen man nur die Lebendigkeit des »In mediam rem« und die anfchaus
liche Berveisführung des Satzes von der Arbeitstheilung nachgerühmt hat,
ift von Smith die unterfte Grundlage feines Werkes in wunderbarer Ein
fachheit und feftem Zufammenfchluß der Gedanken gelegt worden. Die
Menfchen find von Natur gleich organifirt; fie haben alle von Natur einen
Hang zum Taufche, fie werden bei dem Taufche von dem allen gemeinfamen
Inftinct des Eigennukes geleitet, Wie oft beruft er fih auf die Erfahrung
de8 Lebens auch für den lekteren Sab; auch noch gegen den Schluß feines
Werkes, Furz vorher, che er noch einmal darauf vertveift, mie der Berftand
der Menfchen durch ihre gewöhnlichen Befhäftigungen gebildet werde (B. V,
chap. I, 3, 2) bemerft er, daß fpeculative Syfteme zu allen Zeiten auf fo
hohle Gründe hin Zuftimmung gefunden haben, daß jeder Menfch in der
zeringffen Angelegenheit, die ein Geldintereffe betrifft, fie ohne Weiteres finn:
‚08 gefunden haben würde. Daß er den Cigennuß al8 das einzige Motiv
der wirthfchaftlichen Thätigkeit des Menfchen annimmt, ift bereits hervorges
hoben worden und allgemein bekannt. Es muß hier aber darauf hingewie:
en werden, daf Smith folgerichtig und gleichfalls in Uebereinftimmung