243

menen und dem wirklichen Verhältnif mag es zu erklären fein, daß wir
troß der Borausfegung des infkinctiven, überall gleichen Eigennukes ein fo
beredtes Schwanken über die AllgemeinglltigEeit der nationald£onomifchen
„Naturgefeße« gemwahren, fobald fie wirklich wirthfchaftliche Erfcheinungen
verallgemeinern, nicht bloß Zhatfachen der realen Welt formuliren. Selbft
durch die Schule Nicardo’s, weiche offenbar die Principien für. die Yufs
findung und die Formulirung von Sefegen der realen Welt am meiften
auf die unter der Cooporation des Menfchen hervortretenden Erfheinungen
der Bolkswirthfchaft zu Übertragen geneigt ift, geht ein Gefühl von dem
Unterfchiede nationaldEonomifcher und naturmiffenfchaftlicher Sefebe, und
ich vermag nicht abzufehen, warum NMau der Anficht M’ Culloch’s, daß
fich die volkswirthfchaftlidhen Sefeke im Segenfaß zu den phyfikalifchen
Befegen nur in der Negel, meiftentheils zu bewähren pflegten, bloß eine
vorbeigehende Ermähnung hat zukommen laffen. Die wirth{haftlichen
Friebe und CEhätigkeiten der Individuen, wie ganzer Völker, haben eben
fehon auf den erften fehärferen Blick folche Unterfchiede erkennen laffen,
baß man e$ nicht mit einem ewig und überall conftanten Wirken zu thun
habe. Und bei den fo vielerorts fich darbietenden Beifpielen if es über:
fMüffig, einzelne herauszugreifen, welche beweifen, daß neben die Forderung
von »Naturgefeken« in der Volks wirthfhaftslehre die Conceffion
geftellt ifk,- daß e8 Feine eigentlihen Naturgefeße im ferengen, d. bh. im
wahren Sinne des Wortes feien. Aber auch RNofcher, der fo entfchies
den das menfchliche Element in den wirthfchaftlicdhen Erfcheinungen berück:
fichtigt, zeigt in diefem Punkte eine, feinen Ausführungen fonft fo fremde
UnElarheit und Unbeftimmtheit. Wie oft begegnet man in feinen Arbeiten
der unbedingt Hingeftellten Forderung, es feien die „Naturgefebe« der
Volkswirthfehaft vorzuführen — aber welche Analogie verbleibt noch zu
dem allgemein gültigen Begriffe der Naturgefeke, wenn man. einen
Sag left, wie etwa den: »Inftitute, die Jahrhunderte hindurch und bei
bielen verfchiedenen Völkern in Kraft find, haben immer eine ftarke Ber:
muthung für fih, daß fie nicht den Naturgefeben oder, mit an:
deren Worten, dem wahren Bedürfniffe nicht zumiderlau:
fen« 2). Hier fieht man ganz deutlich, wie unter Fefthalten des Worfe8
 NMaturgefeß der allgemein giltige Begriff deffelben durch die Berücks
fichtigung des menfchlichen Tactors in den mwirthfchaftlichen Erfcheinungen
aufgeboben wird.
Mill man neben der Feftftellung der naturgefeßlich wirkenden Kräfte
ber realen Melt die in allen eigentlih SFonomifchen Thatfachen und Er:

1) Vdeen zur Politik und Statiftik der Aterbaufyfteme, in Raus Archiv
4845. S, 289.