den Staatswissenschaften rechnet. Während man in den anderen Ländern bis zum heutigen Tage die politische Oekonomie als ein geschlossenes Ganzes behandelt, ist sie in Deutschland bereits seit den dreißiger Jahren in drei Teile zerlegt, besonders durch das Vorgehen unseres Altmeisters Rau in Heidelberg in seinen drei Handbüchern über die National- Ökonomie, die Volkswirtschaftspolitik und die Finanz- wissenschaft. Infolgedessen ist auch in Deutschland sowohl die Volkswirtschaftspolitik wie die Finanzwissenschaft weit früher tiefer Jurchgearbeitet, als in den anderen Ländern. Namentlich die erstere ist bis zum heutigen Tage von dem Auslande nur sehr unvollkommen Jerücksichtigt. Alle drei Disziplinen behandeln die Volkswirtschaft, aber von ver- schiedenem Standpunkt aus und in verschiedener Weise. Die National- ökonomie untersucht die volkswirtschaftlichen Vorgänge, wie sie vor uns liegen, sucht die Thatsachen zu konstatieren und in den Vor- gängen den Zusammenhang von Ursache und Wirkung festzustellen. Sie sucht die Regelmäßigkeiten in der wirtschaftlichen Thätigkeit auf- zufinden. Mit Recht ist sie daher mit der Anatomie und Physio- logie in den medizinischen Wissenschaften verglichen, welche die Auf- zabe haben, die Struktur des menschlichen Körpers und die Funktion der einzelnen Organe zu verfolgen und darzustelllen. _ Volks Anders die Volkswirtschaftspolitik. Sie ist die Lehre von wirtschafts- den Aufgaben der öffentlichen Gewalt und der Gesellschaft in Bezug Politik, „nf das wirtschaftliche Leben, sie stellt somit Ziele auf und untersucht, auf welche Weise man am zweckmäßigsten die Volkswirtschaft fördern, vorhandene Schäden beseitigen und damit einen besseren Zustand er- reichen kann. Sie ist deshalb mit der Pathologie zu vergleichen, welche die Krankheiten des Körpers untersucht und sie zu heilen bestrebt ist. Die Volkswirtschaftspolitik muß sich naturgemäß auf die Ergebnisse der Nationalökonomie stützen, die Zustände, wie jene sie dargelegt hat, kennen, den Zusammenhang übersehen, um danach die einzuschlagenden Maßregeln normieren zu können. Sie verfolgt prak- tische Zwecke und ist damit der Nationalökonomie, welche theoretische Untersuchungen verfolgt, gegenübergestellt. Man hat die erstere daher auch die Volkswirtschaftspflege oder die praktische National- Skonomie genannt, letztere die theoretis che, was indessen nur zur Verwirrung Anlaß giebt. Ist es in der Nationalökonomie die Aufgabe, vor allem die Grund- {aktoren der Produktion in ihrem Wesen zu studieren, ihr Zusammen- wirken in den einzelnen Gewerben zu verfolgen, zu untersuchen, wie durch die Organisation der Arbeit die Wirkung jedes Produktions- {aktors wirksamer gemacht werden kann, wie durch die Entwickelung des Tausches die Arbeitsteilung ausgebildet wird u. s. w. , SO ist in der Volkswirtschaftspolitik die Geschichte der Entwickelung der ver- schiedenen Gewerbe zu geben, dann besonders die Gesetzgebung zur Förderung derselben und eine kritische Untersuchung, welchen KEin- Auß die einzelnen gesetzlichen Maßregeln in verschiedenen Ländern and zu verschiedenen Zeiten auf die Volkswirtschaft ausgeübt haben. Uns hat dort daher die Agrarverfassung, die Fabrikgesetzgebung, wie die Zunftverfassung zu beschäftigen. Das Wesen der sozialen Frage und die Maßregeln zur Milderung derselben spielen dort eine hervor- tragende Rolle. — In der Nationalökonomie ist dann weiter zu unter- suchen, welche Hilfsmittel bei Arbeitsteilung und Tausch hinzugezogen