13 — Jangt daher erst Wert, wenn ein anderes Moment hinzutritt, d. i. 2. die Seltenheit. Was in nachhaltigem Ueberflusse uns ohne Mühe in jedem Momente zugänglich ist, wird von uns wirtschaftlich nicht als wertvoll respektiert. Nur das wirtschaftliche Gut hat einen Wert, und die Seltenheit des Gutes ist imstande, den Wert desselben in sehr bedeutendem Maße zu steigern und wesentlich über andere Gegenstände zu erheben, die für das ganze wirtschaftliche Leben weit unentbehrlicher sind. Daher die eigentümliche Erscheinung, daß ein Brot, ein Stück Eisen nur einen geringeren Wert repräsentieren als das seltenere Silber und (3old, Edelsteine etc., die für unser Leben weit weniger notwendig sind. Hierin ist auch der Grund zu suchen, warum z. B. in einer belagerten Stadt, je mehr die Vorräte aufgezehrt werden, der übrig bleibende kleinere Rest, wie der der sibyllinischen Bücher, einen wachsenden Wert erlangen kann. Die Nährkraft des Getreidevorrates hat abgenommen, die Bedeutung für das Leben der Bevölkerung ist gestiegen. Bei diesem Beispiele kommt aber zugleich ein anderer Punkt in Frage, der früher bereits berührt wurde. Der Wert eines Gegenstandes kann nur durch Vergleichung zum Ausdruck gebracht werden. Die Wertsteigerung kann daher auch dadurch herbeigeführt sein, daß der zur Wertmessung herangezogene Gegenstand an Bedeutung verloren hat. Das ist unzweifelhaft in einer belagerten Stadt der Fall. Das Geld, Geschmeide, kostbare Kleider, alle sonstigen Luxusgegenstände haben in der bedrängten Lage, in der sich die Belagerten befinden, an Bedeutung wesentlich eingebüßt. Das Interesse konzentriert sich mehr und mehr auf die Nahrungsmittel. Ein reicher Mann zahlte deshalb willig kurz vor der Uebergabe von Paris 1871 für ein Huhn 100 Fres,, für ein Pfund Butter 20 Fres., um etwas Abwechslung in die Nahrung zu bringen. Es hat eine Wertverschiebung stattgefunden, nicht aber eine Vermehrung der Befriedigungsmittel überhaupt. Die Wirkung der Seltenheit hat aber ihre bestimmte Grenze, die ihr gezogen wird 3. durch die Dringlichkeit des Bedürfnisses des schätzenden Menschen. Das geht schon aus dem eben betrachteten Beispiel hervor. Derselbe Gegenstand wird privatwirtschaftlich wie volkswirtschaftlich sehr verschieden beurteilt, je nach den wirtschaftlichen Verhältnissen. Ohne daß ein Bedürfnis zur Verwendung des Gegenstandes vorliegt, wird derselbe trotz seiner guten Eigenschaften, durch welche er Nutzen gewähren könnte, Wert nicht zu erlangen vermögen. In den Tropen, wo es an Wäldern nicht fehlt, wird Niemand nach der Steinkohle Nachfrage halten, solange nicht eine entwickelte. Kultur den Dampfbetrieb zur Anwendung bringt. Die sonst so geschätzte Steinkohle erweist sich dort als wertlos. Der verschmachtende Wanderer in der Wüste, die Mannschaft auf einem Schiffswrack, deren Leben von dem Wasservorrat abhängt, werden denselben höher schätzen, als was sie sonst besitzen, während unter gewöhnlichen Verhältnissen das Wasser wertlos ist. Das Zusammenwirken beider Momente, der Seltenheit und der Dringlichkeit des Bedürfnisses bringen die unendlichen Nuancierungen hervor, welche in dem wirtschaftlichen Leben in der Werthöhe und der Wertbestimmung zu Tage treten. Aber es ist noch ein vierter Faktor zu berücksichtigen, das ist 4. das Opfer der Beschaffung des Gutes. Die Arbeit, den Gegenstand herzustellen, die Mühe, ihn aus einem entfernten Orte herbeizuschaffen oder ihn überhaupt ausfindig zu machen, mit anderen Worten, die Herstellungs- oder Beschaffungskosten beeinflussen unser Urteil in Wertverschiebung