34 Sittliche Eigen- schaften. die Fähigkeit, sich nachhaltig und tiefer in eine Aufgabe hineinzu- arbeiten, ist wohl der germanischen Rasse im höheren Maße eigen als Slaven und Romanen, wie ebenso den Männern mehr als den Frauen. Diese: Gabe kommt besonders zur Geltung bei der philosophischen Spekulation; sie ist die Grundbedingung für Erfindungen und deren angemessene Verwertung. Sie bildet daher auf höherer Kulturstufe die Hauptgrundlage für wirtschaftliches Schaffen. Darauf ist es un- zweifelhaft zurückzuführen, daß gerade auf dem Gebiete der Philo- sophie die erheblichsten Fortschritte den Germanen zu danken sind, and sie ebenso die meisten und die bedeutsamsten Erfindungen gemacht aaben. Nach beiden Richtungen werden sicher die Frauen: auch trotz aller Gymnasialbildung, die man ihnen neuerdings oktroyieren will, nie- mals Erhebliches leisten, weil ihnen dazu die natürliche An- und Zrundlage fehlt. Doch auch die intellektuelle Leistungsfähigkeit genügt nicht zu höherem wirtschaftlichen Schaffen. Es müssen noch sittliche Eigen- schaften hinzutreten, wie Fleiß, Ausdauer, Pflicht-und Ehrge- fühl, Ordnungs- und Sparsinn, Ehrlichkeit und Freudean ler Arbeit. Hin deutscher Handwerker in Neapel sagte uns: „Ein italienischer Lehrling lernt in 6 Wochen, was ein deutscher sich erst in einem Vierteljahr erwirbt, aber doch habe ich noch keinen Neapolitaner soweit gebracht wie im Durchschnitt den deutschen Lehrling, weil ich in ihm niemals den nötigen Fleiß und Ausdauer vorfand.“ Im Durch- schnitt sind es nicht die Hochbegabten, die im Leben am meisten leisten, sondern die energisch Fleißigen, welche mit mäßiger Begabung ausgerüstet sind. Die intellektuellen Eigenschaften werden am meisten anterstützt durch die Lebensauffassung, daß der Mensch zur Arbeit auf der Welt ist und nur durch Arbeit und Pflichterfüllung dauernde Befriedigung erlangen kann. Darin, daß diese Lebensauffassung in Deutschland im großen und ganzen vorherrscht, und derjenige der Miß- achtung verfällt, der seine Arbeitskraft nicht angemessen verwertet, sehen wir die Grundlage der höheren Leistungen Deutschlands gegenüber z. B. Spanien, wo der Arbeit nicht die Achtung entgegengebracht wird, die man ihr bei uns gewährt. Die Hauptgefahr der Verbreitung sozıal- demokratischer Anschauungen liegt darin, daß durch sie die Freudig- keit an der Arbeit durch Weckung der MiBßBgunst gegen den Besitz ıntergraben wird, wie durch die Lehre, daß auch ohne intensive Arbeit Wohlstand und Glück zu erlangen sei. Auf der anderen Seite ist es als Anachronismus zu bezeichnen, wenn für die Frau aus der ge- ”ildeten Klasse Erwerbsthätigkeit in Deutschland immer noch als an- stößig angesehen wird und dem thatkräftigen Mädchen, das sich einen eigenen Wirkungskreis im Geschäftsleben schaffen will, durch weit- gehende Vorurteile Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. Darin sind die Ver. Staaten Nord-Amerikas und die Schweiz Deutschland „edeutend voraus. Sparsinn und Erwerbssinn sind wohl am meisten bei den Schweizern und Holländern ausgebildet, dann bei den Franzosen. Die Letzteren zeichnen sich sehr, z. B. Handwerker und Kaufleute, durch Zuverlässigkeit und Akkuratesse aus. Ebenso ist dort wie in England die Ehrlichkeit im Geschäftsleben sehr allgemein verbreitet. Nach beiden Richtungen steht der deutsche Gewerbestand. nicht besonders zünstig da, wohl aber der höhere Beamtenstand. Dies ist der aumanistischen Erziehung zu verdanken, die wiederum den Erwerbssiun