— 52 leiden. Die wirtschaftliche Freiheit führt somit nicht notwendig zu einer angemessenen Konkurrenz, sondern leicht zu dem Gegenteil, einer einseitigen Monopolbildung. Aus dem Gesagten geht hervor, daß wir es hier nicht mil einer naturgesetzlichen Wirkung der Konkurrenz zu thun haben, die stets für die Volkswirtschaft günstig ausfällt, sondern daß die Wirkung der- selben unter verschiedenen Verhältnissen eine sehr ungleiche ist. Sie wird schon je nach der Kulturstufe, auf der sich das Volk befindet, ungleiche Folgen nach sich ziehen. Ueberall aber giebt es eine Grenze, worüber hinaus die Verschärfung der Konkurrenz nicht mehr günstig, sondern vielmehr ungünstig wirkt, worauf wir in der Volkswirtschafts- politik zurückzukommen haben werden. Die Arbeitsteilung. Bücher, Entstehung der Volkswirtschaft, II. Aufl. Tübingen 1898, S. 275. Schmoller, Jahrbuch für Volkswirtschaft. Bad. 13, S. 1003; Bd. 14, S. 45. Preußische Jahrbücher. Bd. 69, S. 464. Unter Arbeitsteilung versteht man die Zerlegung wirtschaftlicher Thätigkeiten einer Gesamtwirtschaft in eine größere Zahl von Einzel- thätigkeiten, die von verschiedenen Personen ausgeführt wird, Dieselbe kann danach in der verschiedensten Weise ausgebildet werden, sowohl in der ganzen Volkswirtschaft, wie das in der Ausbildung der einzelnen Berufs- und Gewerbszweige der Fall ist, wie in demselben Beruf und Gewerbszweige in verschiedene Spezialzweige, und drittens in derselben Privatwirtschaft, etwa einer Fabrik durch Uebernahme der einzelnen Arbeiten durch verschiedene Personen. Geschicht- Auf primitiver Stufe der Kultur fertigt die Familie selbst an, liche Ent- was sie gebraucht; eine Arbeitsteilung findet nur zwischen den Ge- ‚ikea schlechtern statt, indem der Mann in der Regel. die Arbeiten über- “teilung. nimmt, welche besondere Körperkraft und Schnelligkeit verlangen, wie Jagd und Fischerei, Bändigen der Haustiere etc., während die Frau die Bereitung der Nahrung, Herstellung der Kleidung, Wartung der Kinder und sonstige häusliche Thätigkeit, häufig auch den ersten Acker- bau zu übernehmen hat. Freilich giebt es davon Ausnahmen, indem der Frau auch schwere Arbeit überwiesen wird, während der Mann sich auf die Bärenhaut legt. Umgekehrt wird gegen das Prinzip der Arbeitsteilung verstoßen in der Frauenemanzipation, wenn die Frau Be- schäftigungen an sich zu reißen strebt, für welche sie weniger geeignet ist als der Mann, Abgesehen von der Arbeitsteilung innerhalb der Familie bildet sich im Laufe der Entwickelung der Kultur eine Teilung der Thätigkeit der Bevölkerung in verschiedene Berufs- und Gewerbszweige aus, indem einzelne Glieder sich auf die Herstellung bestimmter Gegenstände konzentrieren, und die übrigen anderen überlassen. Auch nach der festen Niederlassung ist der Betrieb der Landwirtschaft nicht als ein besonderer Beruf anzusehen, sondern als ein Teil der Gesamtthätigkeit, welche zum Unterhalt des Haushaltes allgemein notwendig ist. Es ist eine sehr viel höhere Stufe der Kultur bereits, wenn sich ein besonderer Stand der Handwerker herausbildet, wie das allerdings bereits zur Perikleischen Zeit in Griechenland der Fall war und im alten Rom. In dem Mittelalter entwickelte sich das Handwerk zunächst in den