53 Klöstern, den geistlichen und weltlichen Herrenhöfen, auf denen einzelne Hörige zu bestimmter Thätigkeit angelernt und zur Ausübung derselben angehalten wurden. Unter Heranziehung des Kapitals, unter Aus- bildung des Großbetriebes ist dann die Differenzierung in den Gewerben bekanntlich eine immer größere geworden. Im 13. und 14. Jahr- hundert finden sich auch in den größeren Städten nicht mehr als 25 verschiedene Innungen, die allerdings damals mehrere Gewerbe zu umfassen pflegten. Bücher zählte in Urkunden von Frankfurt a. M. 1387: 148, 1440: 191, Anfang des 16. Jahrhunderts 300 verschiedene Gewerbearten. Schon die Handwerkerstatistik Friedrichs des Großen zählt über 1400 Rubriken. Die Berufs- und Gewerbestatistik von 1882 führt 4782 verschiedene Industrielle und 1674 Berufsarten in Handel, Verkehr und Beherbergung, die von 1895 zusammen etwa 11000 auf. Diese Entwickelung hat zwei verschiedene Ursachen; einmal, wie schon an anderer Stelle (S. 22) ausgeführt, in der Entwickelung der Bedürfnisse, welche immer verschiedenartigere Arbeit verlangen; dann, in der Ausbildung der Arbeitsteilung, indem Arbeiten, welche bisher der Haushaltung selbst vorbehalten waren, sich als einzelne Gewerbe selbst ausbildeten. Odysseus zimmert sich noch sein Haus- und Wirt- schaftsgerät, während Penelope den Tag über webt, Die Herstellung nicht nur der Nahrung, sondern auch der Kleidung war noch im Be- ginne des Jahrhunderts auch in den bürgerlichen Kreisen den Frauen im Hause vorbehalten, während sie heutigen Tages den Bäckern, Fleischern, den Spinn- und Webefabriken, Strick- und Wirkfabriken, dann den Schneidern u. s. w. immer ausschließlicher übertragen wird. Auch da, wo andere Gewerbe Platz gegriffen haben, sträubte man sich vielfach, den Gegenstand durch Verkauf in andere Hände übergehen zu lassen. Der Bauer brachte sein selbstgebautes Getreide in die Mühle, ließ es dort gegen Gebühr vermahlen, und nahm das daraus gewonnene Mehl wieder zum eigenen Gebrauche zurück, so lange die kleinen Mühlen im Lande verbreitet und ihm nahe waren. Erst bei zunehmender Konzentrierung des Gewerbes im Großbetriebe sieht er sich genötigt, das Getreide zu verkaufen und Mehl zu kaufen. Wie ebenso der Gutsbesitzer noch längere Zeit einen Fleischer zum Schlachten zu Hilfe zog, bis er mehr und mehr dazu überging, sein Mastvieh zu verkaufen und das Fleisch für den eigenen Bedarf vom Schlächter zu beziehen, ebenso das Selbstbacken allmählich aufgab und das Brot vom Bäcker bezog. Dies sind Beispiele, daß die Arbeits- teilung früher ‘eintritt, als der Tausch, während im allgemeinen der Tausch früher Platz zu greifen pflegt, als die Arbeitsteilung. Bei primitiven Völkerschaften sind die Tauschartikel zunächst nicht aus- drücklich zu diesem Zweck angefertigt, sondern als Reserve für den eigenen Gebrauch. Bietet sich aber eine Gelegenheit, so wird eben auch jene Reserve als Tauschobjekt benutzt, um z. B. extraordinäre Schmuckgegenstände dafür zu gewinnen. Die Bauernfrauen auf dem Lande haben noch im Beginn der neueren Zeit bei uns, abgesehen von Gemüsen, Eiern ete., Garn und gewebte Stoffe zum Verkauf auf den Markt gebracht, wenn sie mehr erarbeitet hatten, als sie für ihre Wirt- schaft gebrauchten, ohne daß dieses das Resultat einer Arbeitsteilung war, die sich auf dem Lande erst herausstellt, wenn Arbeiten über- nommen werden, die mit der Deckung des eigenen Bedarfs nichts zu thun haben, wie, wenn der russische Bauer in den Winterabenden aus Holz Spielzeug, Küchengeräte schnitzt und dies an städtische Händler