98 — Süß’ Hypo- *hese. das große Bassin des Münzbedarfs der Staaten der Währungskon- vention abgestoßen werden können, und wenn nicht ganz exceptionelle Verhältnisse eintreten, würde dadurch das Verhältnis für Dezennien gewahrt werden können. Au eine solche Vereinigung der ver- schiedenen in Betracht kommenden Länder ist aber in der Gegen- wart auf keinen Fall zu denken, weil die Interessen derselben zu weit auseinander gehen. Frankreich und die Vereinigten Staaten, welche mit Silber übersättigt sind und unter der Silberlast erheblich leiden, die Nordamerikanische Union mit ihrer bedeutenden Silberproduktion ganz besonders, haben nur ein Interesse daran, den Wert des Silbers wieder auf die frühere: Höhe emporzubringen, aber gar kein Interesse, den gegenwärtigen Zustand zu fixieren, wie es durch die Währungskonvention auf Grundlage des Verhältnisses von 1:34 der Fall wäre. Die Goldwährungsländer, vor allen Dingen Deutschland, können wiederum, wie wir sahen, zu keinem anderen Verhältnis die Doppelwährung acceptieren, als es den gegenwärtigen Marktverhält- nissen entspricht, weil sie sonst das schwer erkaufte Gold gegen antwertetes Silber verlieren würden, ohne die Garantie zu haben, daß das Silber nun auch dauernd den hohen Wert behalten würde. Viel- mehr würden sie das Risiko auf sich nehmen, daß sich dieses Ver- hältnis nach einiger Zeit unhaltbar erwiese, die Währungsvereinigung auseinanderfiele, und sie dann genötigt wären, wieder bedeutende Öpfer zu bringen, um das erst kürzlich hingegebene Gold wieder zurück zu kaufen, ohne daß sie einen entsprechenden Gewinn dafür in Aussicht hätten. Solange also die gegenwärtige Goldproduktion anhält, dumit lie erweiterte Goldwährung ohne Schwierigkeit aufrecht erhalten werden kann, ist an eine Durchführung des Bimetallismus absolut ıicht zu denken. Damit ist aber nicht gesagt, daß nicht in der Zukunft Zeiten eintreten können, wo man auf diesen Gedanken zurück- <ommt, ja sogar genötigt sein kann, denselben zur Realisation zu ringen. Die bimetallistische Bewegung ist in den 70er Jahren besonders Jlurch den berühmten Wiener Geologen Süß unterstützt, wo nicht ins „eben gerufen, der in seinem Werke „Die Zukunft des Goldes“ fach- nännisch auseinandersetzte, daß die bisherige Produktion des Goldes auf die Dauer nicht aufrecht zu erhalten wäre, man vielmehr auf einen Rückgang derselben gefaßt sein müsse. Er wies darauf hin, daß bisher die Goldgewinnung hauptsächlich aus dem Schwemmlande her- ;tamme, wo durch Auswaschung in verhältnismäßig einfacher und billiger Weise das reine Gold aus dem Quarzsande gewonnen wird. Dieses Schweramland ist nach ihm in der Hauptsache erschöpft, wie z. B. in Kalifornien, und es sei nicht darauf zu rechnen, daß in den noch unbekannten Gegenden, wie Afrika, Australien, neues Schwemmland entdeckt werden würde. Es blieben also als weitere Quelle nur die uarzgänge, welche bergmännisch ausgebeutet werden müßten und viel größere Kosten verursachten, auch nicht so große Quantitäten zu liefern vermöchten, wie dieses aus dem Schwemmlande bisher möglich zewesen wäre. Er stellte deshalb für die Zukunft Goldknappheit und Verteuerung des Goldes als unvermeidlich in Aussicht. Da nun damals zerade ein Rückgang der Produktion wirklich beobachtet wurde, so mußten diese Ausführungen den tiefsten Eindruck hervorrufen, und 38 erschien in der That gewagt, Gold zur Grundlage des Geldes zu machen und zum Wertträger desselben zu wählen, wo eine Verschiebung