‚122 — /ersteigerung, Seltenheitspreise ler den höchsten noch ökonomisch gerechtfertigt findet, z. B. bei öffenticher Versteigerung. In England werden die in den Häfen eingetroffenen Schiffsladungen von Wolle und Baumwolle meist Öffentlich versteigert, wie 'n Frankreich und am Rhein die Weine größerer Produzenten, ebenso lie edlen Zuchttiere, Böcke, Rennpferde etc. in England und Deutschland. Die Kauflustigen kommen aus allen Gegenden zusammen und überbieten sich. Derjenige erhält den Zuschlag, der das höchste Gebot macht. Er bestimmt den Preis. Ein ähnliches Verfahren ist überall im Verkehre zu beobachten, wo der Vorrat ein beschränkter ist. Die Herstellungs- resp. Beschaffungskosten bilden nur die untere Grenze, über welche der Preis je nach den Geboten erheblich hinausgetrieben wird. Das sich Ueberbieten der Kauflustigen geschieht, ohne daß sie sich dessen bewußt sind; oder der Verkäufer läßt es nicht zur Versteigerung kommen, sondern stellt die Preise der Kaufkraft und Kauflust der Leistungsfähigsten gemäß auf, und es ist die wichtige und schwierige Aufgabe des Kaufmanns, hier mit dem richtigen Verständnis den Verhältnissen die Preise anzupassen. Ein gutes Beispiel liefern die Samenhändler in Deutschland, die dem Usus gemäß gleichzeitig ihre Preiscourante versenden, in denen für jede Sorte in jedem Jahr nach dem Ausfall der Ernte. die Preise von den Konkurrenten unabhängig von einander aufgestellt werden, wobei nicht die Herstellungskosten des einzelnen Jahres den Maßstab abgeben, die oft nicht erreicht werden können, sondern die Zahlungsfähigkeit des Publikums nach dem zu erwartenden Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Setzt ein Händler nach einer Mißernte bei einer Sorte die Preise zu hoch an, so schreckt er die Kunden überhaupt zu sehr ab, die sich einem Konkurrenten zuwenden und dort ihren ganzen Bedarf auch an anderen Sorten beziehen; setzt er die Preise zu niedrig an, so wird er zwar seinen Vorat schnell los, erzielt aber nicht den Gewinn, der für ihn möglich gevesen wäre. Je größer die Dringlichkeit des Bedarfs, um so mehr kann der Preis über die Herstellungskosten steigen (Seltenheitspreise), und um ;o mehr wird die Furcht vor Mangel oder Ueberfluß die Preisschwanzungen noch über das Mißverhältnis von Vorrat und Bedarf hinaus aervorrufen. Die Grenze jeder möglichen Preissteigerung liegt, wie erwähnt, in der Zahlungsfähigkeit der Konsumenten. Diese Grenze wird daher, wofür schon Belege angeführt sind, beim Bedarf der ärmeren Klasse früher eintreten als bei dem der reicheren, und um so mehr, wenn es sich um entbehrliche Gegenstände handelt. Diese Seltenheitspreise bilden sich nun im wirtschaftlichen Leben sehr allgemein aus und spielen eine weit größere Rolle, als gewöhn-‚ich angenommen wird. Sie sind es, die den Unternehmergewinn liefern. Dieselbe Fabrik stellt für die verschiedenen Waren, welche sie herstellt, z. B. in der Wirkwarenbranche, die Preise mit sehr verschiedenem Zuschlage zu den Herstellungskosten auf, je nachdem die Artikel der allgemeinen Konkurrenz verfallen oder einzig in ihrer Art, mit neuern Mustern, von besonderem Geschmack dastehen, also Seltenheitspreise gestatten. Die Händler begnügen sich mit einem sehr gezingen Preise bei Waren, welche die große Masse der Bevölkerung f{ortdauernd bezieht, und die in jedem Laden zu haben sind. Sie nehmen höhere Profite bei Waren von auserlesenem Geschmack, die als Spe-„jalitäten angesehen werden können. Letztere werden unter Umständen