(62 —. Kredit einer anderen mißbraucht, können erfahrungsgemäß sehr be- deutende Summen verloren gehen, und Bankerotte von Geschäfts- ‚euten und besonders Banken herbeigeführt werden. Änter- 1ationales Zahlungs- mittel. 8 57. Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Wechsels. Wie zur Zeit der Wechselmessen der Wechsel sich als notwendig ırwies, um die Gefahren und Kosten der Barsendungen und die Um- 3tände des Geldwechselns zu ersparen, so in der Gegenwart, um Zahlungen in überseeischen Ländern mit verschiedener Währung und Münze ohne Barsendungen zu vermitteln, und zwar hauptsächlich durch Jlas Kintreten der Banken als Zahlungsvermittler, wobei diejenigen natürlich den Vorrang behaupten, welche den größten und verbreitetsten Kredit besitzen, deren Wechsel überall gern genommen werden, und die daher als allgemeines Zahlungsmittel dienen können. Darin lag odisher das unbedingte Uebergewicht Englands als Zahlungsplatz und der englischen Citybanken als internationaler Zahlungsvermittler, denen erst in neuerer Zeit Deutschland und Frankreich sich mit Erfolg zu entziehen suchen, indem sie durch eigene, große Banken mit Weltruf die Zahlungen direkt abzuwickeln streben. Aber noch für lange Zeit werden die englischen Banken das Uebergewicht behalten und können für viele Zahlungen namentlich nach dem Orient noch nicht entbehrt werden. Das Verfahren pflegt das folgende zu sein: Ein Bremer Haus, das Baumwolle aus New Orleans bezogen hat und dafür dorthin 100000 Mk. schuldet, zahlt diese nicht in bar nach New Orleans, sondern der dortige Lieferant zieht einen Wechsel auf das Bremer Haus und beauftragt es darin, die Summe an ein Londoner Bankhaus zu zahlen, mit dem er in Verbindung steht, oder an eine Bank in New Orleans, die den Wechsel auf ein Londoner Haus indossiert, deren Kunde sie ist; und durch das Accept der Londoner Bank wird dieser Wechsel ein internationales Zahlungsmittel. Das Haus in New Orleans »der die Bank daselbst, die jenem die Summe auszahlte und dafür den Wechsel erhielt, verkauft diesen Wechsel an ein anderes Haus, welches eine solche Summe für eine Sendung Waren nach New York zu ent- richten hat, und derselbe Wechsel wird vielleicht noch zu einer weiteren Zahlung in Boston benutzt und geht dann nach London, um dort für ein- gesendete Baumwollenstoffe an einen englischen Fabrikanten Zahlung zu leisten, der sich die Summe daraufhin bei seinem Bankier gut schreiben ‚Aßt, während inzwischen die Bremer Firma die Summe in London einzahlte, indem sie eine Wechselforderung in Bremen kaufte, die von einem englischen Hause für aus Deutschland empfangene Ware zu be- richtigen war. Der Betrag findet schließlich in dem Clearinghouse and der Bank von England die Ausgleichung mit dem erwähnten Wechsel durch Uebertragung in dem Girokonto. Auf solche Weise werden mit demselben Wechsel verschiedene Zahlungen an entlegenen Orten getilgt, und Forderungen und Gegenforderungen gleichen sich im internationalen Wechselverkehre aus, wie wir es bei dem inländischen Checkverkehre beobachtet haben. An Stelle der Barzahlung findet die Wechselzahlung statt und die Konzentrierung derselben auf einzelne Banken und schließlich auf das Girokonto einer Zentralbank, Wie im Mittelalter auf den Wechselmessen die Zahlungsbriefe zusammen-