— 165 —- Frage kommt. Liegen in der Geschäftswelt viele Kapitalien unbe- nutzt brach, die deshalb der Bank zuströmen, ist dem gegenüber die Nachfrage nach kurzen Darlehen gering, so werden sich bedeutendere Summen bei den Banken aufhäufen, und der Diskont muß sinken. Wenn dagegen umgekehrt der Bedarf an Kapitalien zur Erweiterung der Produktion und zur Stützung der kaufmännischen Spekulation ein großer ist, so wird dieses den Diskont in die Höhe treiben. Ein hoher Diskont wird deshalb häufig die Folge eines wirtschaftlichen Aufschwungs sein, wie das gerade 1899 und 1900 in ausgedehntem Maße der Fall war. Ende des Jahres 1899 berechnete die deutsche Reichsbank 7 °%, die Bank von England über 5%, was die erstere überhaupt noch nicht, die letztere seit Jahrzehnten nicht erlebt hat. Die Ursache war nur, daß die gesamte Produktion einen außergewöhn- lichen Aufschwung genommen hatte, und ganz besonders in Deutsch- land die vorhandenen Mittel nicht ausreichten, den Bedarf zu befrie- digen, Der hohe Diskont ist hier nur ein erfreuliches Zeichen gewesen, Das ist aber keineswegs immer der Fall. Abgesehen von dem letzten Jahre war der höchste Diskont bei dem Ausbruch des Krieges von 1866 und 1870 dagewesen, dann nach dem Wiener Krach 1873, bei dem Ausbruch der großen wirtschaftlichen Krisis. In solchen Zeiten bleiben eine Menge Zahlungen aus, auf welche die Geschäftswelt ge- rechnet hatte; es wird schwierig, den laufenden Anforderungen zu ge- nügen, die Nachfrage nach Darlehen steigt in außerordentlicher Weise, während wenig Gelder zur Verfügung sind und nur sparsam den Banken zufließen. Je mehr außerdem der Kredit erschüttert ist, und damit ein Jeder sein Geld zurückbehält, und Keiner dem Anderen traut, um so höher muß der Zins im Bankverkehr steigen und nicht nur bei den großen Centralbanken, sondern auch bei dem kleinen Bankier und an der Börse, wie man sich ausdrückt, auf dem Markte. Hier sind es also ungünstige Verhältnisse, welche eine Erhöhung des Diskonts herbeiführen. In der gleichen Weise kann ein niedriger Diskont aus sehr ver- schiedenen wirtschaftlichen Zuständen hervorgegangen sein. Bei einer allgemeinen Erschlaffung des Geschäftslebens, wie es Anfang der neunziger Jahre bestand, wird wenig Geld gebraucht. Es staut sich in den Banken im Uebermaße an, der Zins muß zurückgehen. Der niedrige Diskont ist hier das Zeichen einer schleichenden wirtschaft- lichen Krisis gewesen. Er findet sich aber auch bei sehr günstigen Verhältnissen, wenn er nur der Ausfluß eines außerordentlichen Wohl- standes ist, so daß trotz sehr animierter Thätigkeit immer noch reich- lich Gelder flüssig bleiben. Aus diesem Grunde ist der Diskont in England im großen Ganzen niedriger als in Deutschland, hier niedriger als in Rußland. Die Höhe des Diskonts kann wesentlich von dem allgemeinen Diskont und Landeszinsfuße abweichen, der letztere ist sehr viel stetiger, der erstere Landeszins- sehr viel größeren Schwankungen unterworfen. Während der Landes- fuß. zinsfuß in Deutschland etwa 4°% beträgt, vor 25 Jahren dagegen noch 5% war, ist der Diskont im letzten Dezennium zwischen 1!% und 5% hin und her gependelt und war im großen Durchschnitt nur wenig über 3%. Auch am Ende des Jahres 1899, wo der Diskont der Reichsbank auf 7 stieg, wurde der Landeszinsfuß nur wenig davon berührt und hat sich von dem bisherigen Satze nur unbedeutend ent- fernt. Diese Verschiedenheit ist darauf zurückzuführen, daß es sich