— 170 — Wechsel. Effekten. Wechselkurs. England als bei Amerika Deutschland gegenüber vorliegt. Dann die Summen, welche Reisende im Inlande verzehren. Auch dieses fällt für unser Beispiel weniger ins Gewicht, als bei den Verein. Staaten gegenüber Europa. Man hat berechnet, daß die reisenden Amerikaner, circa 150000 Personen, in Europa gegen 100 Millionen Dollars im Jahre ausgeben. Bei 8 der größeren Bankhäuser New Yorks betrugen die ausgestellten Kreditbriefe für Reisende nach Europa durchschnittlich 1500 D, (Lexis, Handelsbil. im Handwörterbuch), Dem gegenüber sind die von europäischen Reisenden in Amerika verzehrten Summen gering, um so mehr fallen ins Gewicht die von Auswanderern herübergenommenen Beträge. Größer dürfte die Differenz zwischen Rußland einerseits und Deutschland-Oesterreich andererseits sein. 3. England kann Deutschland erhebliche Summen in Wechseln zahlen, die es von russischen, französischen, amerikanischen, indischen Häusern in Zahlung erhalten hat, die in Hamburg, Bremen oder auch an einem anderen europäischen Börsenplatze fällig sind, oder es bezahlt mit auf englische Banken lautenden Wechseln, die Deutschland zur Zahlung an Amerika, Indien, China verwerten kann. Dieser Wechselverkehr ist es, der hauptsächlich, wie schon dargelegt, zur Ausgleichung ınternationaler Zahlungen verwendet wird. Auch lassen englische Banken ihre deutschen Gläubiger Wechsel auf sich ziehen, um damit eine weitere Schuld zu tilgen, 4. Bleibt noch eine weitere Differenz, so wird diese durch Abtretung von Effekten, Staats- und Kommunalobligationen, Eisenbahnprioritäten, Aktien herbeigeführt, wobei dann die erheblichsten Summen durch solche Besitzverschiebungen ausgeglichen werden können. Wir erinnern nur an die bedeutende Heimzahlung der Staatsschuld der nordamerikanischen Union; die Unterbringung von Staatsanleihen der verschiedensten Länder in Deutschland etc. Wie bei dem Giroverkehr Forderungen des einen Buchgläubigers auf den anderen übertragen werden, so gleichen die Staaten untereinander Zahlungen aus durch Ueberweisung zinstragender Papiere, welche Forderungen an andere Länder repräsentieren. Auch eine erhebliche Unterbilanz kann daher ohne irgend eine Barzahlung beglichen werden, die vielmehr nur in äußerst seltenen Fällen und nur vorübergehend eintritt. Von einem dauernden Abfluß von Gold und Silber infolge einer ungünstigen Handelsbilanz ist heutigen Tages nirgends die Rede. Wie wir nun sahen, wird in ausgedehntem Maße der Wechsel benutzt, um Forderungen des Auslaudes zu begleichen. Je nach der Gestaltung des Handels wird deshalb ein Land mehr Forderungen in der Form von Wechseln an das andere Land zu richten haben. Es wird sich daher in demselben ein Ueberfluß an Wechseln herausstellen und in dem anderen Lande dagegen ein Mangel. Der Wechsel ist dadurch als Zahlungsmittel eine einfache Ware geworden, dessen Wert nach dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage schwankt. Der Preis, welchen ein Wechsel hat, wird nun sein Kurs genannt, und der Wechselkurs wird, wie aus dem Vorhergesagten hervorgeht, durch die Gestaltung des Handelsverkehrs zwischen den Ländern bestimmt. So müssen Devisen in dem Lande mit überwiegenden Forderungen, die im Auslande einzukassieren sind, billig sein, während sie in einem Lande mit überwiegenden Zahlungsverpflichtungen teurer sind. Je nachdem sich diese Zahlungsverpflichtungen steigern oder vermindern, wird auch der Wechselkurs steigen oder sinken.