232 — dem Hause Rothschild die Vermittelung von Staatsanleihen in aus- zedehntem Maße zur Aufgabe machte (für Argentinien, Rumänien u. s. W.). Außerdem übernahm sie den Eisenbahnbau in verschiedenen über- seeischen Ländern, eine große industrielle Unternehmung in Paris a. dergl. Der Gesamtbetrag der Geschäftsanteile war 1852 circa 10 Millionen Mark, 1855 20 Millionen, 1857 schon 46 Mill. und ist all- mählich, besonders in der neuesten Zeit infolge von Fusion mit anderen Gesellschaften bis auf 150 Mill. erhöht, nachdem eine Reihe von Jahren eine Reduktion des Kapitals stattgefunden hatte. Die Deutsche Bank ist erst 1870 gegründet und stellte sich von vornherein die Aufgabe, die internationalen Geldgeschäfte des deutschen Handels mehr und mehr in die Hand zu nehmen nnd sie den englischen Banken zu entziehen. Deshalb kommanditierte sie schon 1872 ein Bankhaus in New-York, errichtete noch in demselben Jahre eine Filiale in London unter dem Namen „deutsche Agency“ allein mit 45 Mill. Mk., und beteiligte sich in dem folgenden Jahre kommanditarisch bei dem schon seit längerer Zeit bestehenden Pariser Bankhaus „Weisweiler & Gold- schmidt“, 1874 beteiligte sie sich an der deutsch-belgischen Laplata- bank, um auch in Südamerika festen Fuß zu fassen. Die 1872 in Shanghai und Yokohama gegründeten Filialen konnten sich nicht halten. Außerdem stationierte sie in Bremen und Hamburg Filialen als Stütz- punkte für den internationalen deutschen Geldverkehr. Im Jahre 1886 wurde noch eine Filiale in Frankfurt, im letzten Jahre in Leipzig und Dresden errichtet. Außerdem unternahm die Bank seit Ende der achtziger Jahre erhebliche Eisenbahnbauten im Orient und gewann dort eine wachsende und sogar eine dominierende Bedeutung. 1890 beteiligte sie sich an den deutsch-österreichischen Mannesmannröhren- werken; seit 1894 an den südafrikanischen Goldfeldern. Neben dieser ausgedehnten Thätigkeit zur Förderung neuer industrieller Unternehmungen und der internationalen Kredit- und Zahlungsvermittelung hat sich die Deutsche Bank von Anfang an zur Aufgabe gestellt, den Depositen- und Checkverkehr in Deutschland zu fördern und an sich zu ziehen. Durch die Errichtung einer Anzahl Filialen in Berlin selbst suchte sie die Präsentierung der Checks und damit die Anwendung derselben besonders zu erleichtern. Während das Aktienkapital 1871 15 Mill. betrug, stieg es schon 1881 auf 56, 1894 auf 75, 1900 auf 130 Mill. Die Depositen waren 1871 8 Mill, 1884 27 Mill, 1894 75 Mill. Die Zahl der bei der Bank gehaltenen Konti war 1883 10000, 1894 32716. Die Dividenden der beiden erwähnten Banken haben sehr erheb- liche Schwankungen gezeigt. Die Diskontogesellschaft zahlte von 1857—61 5%, in den folgenden Jahren 6%, 1868/69 9%, 1871/72 24 und 27%, 1876/77 4 und 5%, von 1879—87 mit unbedeutenden Schwankungen 10%, 1889 14%, 1892/93 6%, 1899 10%, 1901 8%, Die Deutsche Bank mußte sich in den siebziger Jahren mit dem durch- schnittlichen Zinsfuß von 6%, begnügen. Anfang der achtziger Jahre zahlte sie 10%, dann 6 Jahre 9% und blieb auf dieser Höhe bis 1894, 1899 stieg der Satz auf 11%, die auch in den letzten beiden Jahren gezahlt wurden. Die hier besprochenen Beispiele zeigen eine außerordentliche Vereinigung der verschiedensten Bank- und Börsenthätigkeiten, und ihnen treten mit ähnlichen Bestrebungen und bedeutenden Mitteln noch eine ganze Anzahl andere Banken an die Seite, während die Anfang der