269 — wand meistens dankbarer erweist als der schlechtere. Auch hier zeigt es sich, daß der Gang in dem wirtschaftlichen Leben nicht ein gleich- mäßiger, sondern sehr verschiedenartiger und oft sprunghafter ist. Aber je mehr die Kultur vorschreitet mit Zunahme der Bevölkerung und Verallgemeinerung des Ackerbaues, um so mehr tritt die Ricardo- sche Auffassung in ihr Recht, und die Differenzierung der Boden- qualität, die Ungleichheit der Erträge wird immer größer, und damit muß der bessere Boden eine Grundrente erzielen, so lange die Preise der landwirtschaftlichen Produkte noch ausreichen, um die Produktions- kosten auf dem dürftigen Boden zu decken, und diese Verschiedenheit bleibt auch bestehen, wenn infolge der Bevölkerungszunahme die Preise so weit gestiegen sind, daß auch auf dem dürftigsten Boden mehr er- zielt wird als nur die Deckung von Arbeits- und Kapitalsaufwand. Mit Verallgemeinerung der verbesserten Kommunikationsmittel, Verwischung Ausbildung eines Chaussee- und Eisenbahnnetzes wird nun im Laufe der Grund- der Zeit die Verschiedenheit der Entfernung vom Markte in der FE m mannigfaltigsten Weise verschoben und ausgeglichen. Durch Erfahrung eatwicke- und Wissenschaft lernt man auch die ungünstigeren Produktionsbeding- lung. ungen durch besondere Pflanzen oder Tiere höher ausnutzen, man denke an gewisse Gemüse, wie Spargel, Teltower Rüben, Kartoffeln, die auch auf leichterem Boden zu kultivieren sind; an Lupinen, Sera- della etc., an die Gründüngung, die namentlich in feuchtem Sande Außerordentliches zu wirken vermag, an Schaf- und Ziegenhaltung auf dürftigen Weiden. Wird dadurch bereits die Bedeutung der ländlichen Grundrente auf höherer Kulturstufe etwas abgeschwächt, so ist dieses in noch weit höherem Maße durch die außerordentlich großen Kapitalien der Fall, welche jetzt in Meliorationen, Gebäuden, totem und lebendem Inventar mit dem Boden verbunden werden und die Erträge in der außerordentlichsten Weise steigern, so daß dagegen die Leistung der Natur allein erheblich zurücktritt. Ferner wird durch den fort- dauernden Besitzwechsel, wobei der gesamte Ertrag und somit auch die Grundrente kapitalisiert den Kaufpreis bestimmt, die Steigerung der Grundrente in ihrer volkswirtschaftlichen Wirkung außerordent- lich verteilt und damit abgeschwächt. Es ist deshalb begreiflich, daß man ihr in Deutschland eine praktische Bedeutung nicht mehr zuerkennt. Unrichtig ist es aber, ihre Existenz überhaupt leugnen zu wollen. . Gerade in der neueren Zeit ist nun nicht ein weiterer Fortschritt, sondern sogar ein Rückgang der Grundrente auf dem Lande in Europa Jurch die Ermäßigung vor allem der Getreidepreise herbeigeführt, und wenn derselbe nicht in einem stärkeren Maße in den Pacht- und Grund- preisen zu Tage tritt, so ist dieses eben auf den Ausgleich durch Kapitalsaufwand zurückzuführen und auf der anderen Seite durch die Fortschritte der praktischen Erfahrung, welche es gestatten, mit den- selben Mitteln dem Boden höhere Erträge abzugewinnen. Daß innerhalb größerer Perioden eine Grundrente gewonnen Statistischer wird, läßt sich auch statistisch nachweisen, indem, wie an anderer Nachweis der Stelle gezeigt, die Produkte der Land- und Forstwirtschaft in den Grundrente. letzten beiden Jahrhunderten weit stärker im Preise gestiegen sind als die Manufakte. Und wenn dieses, wie erwähnt, in den letzten Dezen- nien einer rückläufigen Bewegung Platz gemacht hat, so ist doch mit Zuversicht anzunehmen, daß die starke Zunahme der Bevölkerung in der kultivierten Welt dieses noch in absehbarer Zeit ausgleichen wird.