Kahn, Geschichte des Zinsfußes in Deutschland. Stuttgart 1884. Knut Wichksell, Ueber Wert, Kapital und Rente. Jena 1893. Ders., Jahrb. für Nat.-Oekon. 1892. Bad. IV Da das Kapital den Ertrag der menschlichen Thätigkeit, wie wir Wesen der nachzuweisen suchen werden, über die eigene Wertverminderung hinaus Kapitalrente. zu steigern vermag, so kann man den Teil des Reinertrages eines Unternehmens, welcher auf die Leistung des Kapitals zurückzuführen ist, als besondere Kapitalrente bezeichnen. Sie läßt sich nur selten isolieren und in ihrer Höhe genau bestimmen, ist aber darum doch nachweisbar. Wenn ein Schneider bisher in der Woche nur einen Anzug fertigzustellen vermochte und dann durch Zuhilfenahme einer Nähmaschine das Doppelte fertig bringt, so wird eben diese Mehrleistung der Maschine zugeschrieben werden müssen, wenn sie auch allerdings allein nichts leisten kann, und der Schneider in einer anderen Weise thätig war. Wenn in einer Kattundruckerei die bis- herige Druckmaschine durch eine Walzenmaschine, die vier verschiedene Farben auf einmal aufträgt, ersetzt und dadurch mehr als das Drei- fache mit derselben Arbeitskraft der Dampfmaschine und der Hilfs- arbeiter geliefert wird, so tritt auch da ihre Leistung so klar zu Tage, daß sich die Rente (nach Abzug der Amortisations-, Reparaturkosten etc.) der darin angelegten Geldsumme berechnen läßt. In großen gewerb- lichen Unternehmungen, auf Landgütern, in einem kaufmännischen Ge- schäfte, wo das Zusammenwirken der drei Faktoren ein außerordent- lich kompliziertes ist, wird dagegen eine solche Isolierung nicht genau durchzuführen sein. Die aufgeführten Beispiele zeigen klar, daß das Kapital zur Er- zeugung neuer Produkte beiträgt und die Werterhöhung in der Pro- duktion steigert. Damit ist allerdings noch nicht gesagt, daß auch eine Rente erzielt wird, die dem Kapital selbst zufällt, denn die Wert- erhöhung kann sich auf den Betrag beschränken, der nötig ist, um das aufgewendete Kapital, das sich fortdauernd abnutzt, zu ersetzen. Von seiten der sozialistischen Richtung, insbesondere Rodbertus, wird auch die Erzielung eines solchen Ueberschusses geleugnet, oder in Arbeitslohn aufgelöst, da ja Kapital nichts als geronnene Arbeit sei (Marx). Der letztere Punkt kann unbeachtet bleiben, da er für die vorliegende Untersuchung gleichgültig ist und bei der Besprechung des Wertes und .der Produktionsfaktoren bereits berührt wurde. Die Begründung dafür, daß das Kapital einen Wertüberschuß liefern kann und im Durchschnitte erzielt, ist in sehr verschiedener Weise. zu führen gesucht, was besonders Böhm-Bawerk in der oben erwähnten Schrift ausführlich historisch-dogmatisch zusammenge- stellt und selbst geistvoll ergänzt hat. In der neueren Zeit ist ein leidliches Einverständnis von seiten der Autoritäten darüber erzielt. Die originelle Theorie Böhm-Bawerks verdient aber besondere Be- achtung. Nach ihm legt der Mensch „den gegenwärtigen Gütern einen gewissen Vorzug vor künftigen Gütern derselben Art und Zahl“ bei und ist daher auch geneigt, ihnen einen höheren Preis als den später zu erwartenden zu zahlen. „Die psychologischen Gründe wurzeln hauptsächlich in der Unsicherheit der Zukunft und in dem geringeren Bedacht, welchen die meisten Menschen auf die Sicherstellung ihrer künftigen Bedürfnisse nehmen; die technischen Gründe hängen haupt- sächlich mit gewissen Verhältnissen der Produktion, namentlich damit zusammen, daß die technisch ergiebigsten Produktionsmethoden die-