290 — die fortdauernden Leistungen der Nationalarbeit selbst bestimmt, und kann deshalb die erheblichsten Erweiterungen erfahren. Eine Erhöhung des Lohnes kann aber auch bei stark zunehmender Bevölkerung aus anderen Gründen erreicht werden, also eine erheb- liche Steigerung des Angebotes von Arbeitskräften kann durch andere Momente in der Wirkung auf die Lohnhöhe abgeschwächt und aus- geglichen werden. Neue Arbeitsgelegenheit ist auf zweierlei Weise zu gewinnen; einmal durch die Steigerung der Lebensansprüche der eigenen Bevölkerung, und hier ist eine Grenze überhaupt nicht abzusehen, Schon eine geringe Verbesserung in der Kleidung, z. B. des Schuh- zeuges der unteren Klassen, in der Ausstattung der Wohnung, durch Polstermöbel, Gardinen, Uhren etc., verlangt erheblichen Aufwand an Arbeit. In zweiter Linie steht die Arbeit für den Export, um vom Auslande eine höhere Bezahlung für die Waren zu erhalten als sie im Inlande zu erwarten steht. Auch hier ist eine außerordentliche Aus- dehnung möglich, wie vor allen Dingen England zeigt, dem Deutsch- land in der neueren Zeit energisch nacheifert. Die Hebung der Lebensansprüche allein wird aber noch nicht imstande sein, die entsprechende Hebung der Beschäftigung herbeizu- führen, sondern es muß damit Hand in Hand auch eine Steigerung der Kaufkraft der Bevölkerung gehen. Diese wird zur Voraussetzung eine Hebung der Leistungsfähigkeit der Arbeiterbevölkerung im weiteren Sinne des Worts haben. Dieses wiederum kann herbeigeführt werden durch Heranziehung von mehr Kapital und durch Hebung der Intelli- genz, wie durch Erfindung neuer Maschinen, durch welche die Arbeits- kraft des Einzelnen gehoben wird. Fehlt es so nicht an Nachfrage nach Arbeitsprodukten und werden auf der anderen Seite im Vergleich zur Bevölkerung mehr Güter geschaffen, so ist es auch möglich, größeren Ansprüchen Genüge zu thun und die Arbeitsleistung besser zu bezahlen. Gerade dieses Moment der Erweiterung von Arbeitsgelegenheit, welches in der Neuzeit gewaltig in den Vordergrund getreten ist, ignorierten Ricardo wie Lassalle völlig, Dadurch wird aber das eherne Lohngesetz völlig aus den Fugen gehoben. Hiermit ist nun zunächst nur die Möglichkeit geboten, durch Stei- gerung des Ertrages der Nationalarbeit den Lohn zu erhöhen, aber noch nicht gesagt, daß sich eine solche Erhöhung auch wirklich vollziehen muß. Die Thatsache ist nicht zu bestreiten, daß noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts die Löhne nicht höher, wahrscheinlich niedriger gewesen sind, wenigstens unter Berücksichtigung ihrer Kaufkraft, als vor dem dreißigjährigen Kriege, und daß sie 100 Jahre hindurch fast völlig stationär geblieben waren. In der ersten Hälfte des 19. Jahr- hunderts haben in Deutschland sicher die Unternehmer einen über- wiegenden Anteil an dem Nationalertrage gewonnen, wie in’ England in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und in den ersten Dezennien des letzten, ohne dem Arbeiter einen entsprechenden Anteil zu gewähren. Von dem gewaltigen Aufschwunge, den die Landwirt- schaft von den dreißiger bis in die siebziger Jahre des letzten Jahr- Lohn- hunderts genommen hat, bezog der Arbeiter nur verhältnismäßig >rhöhung auf geringen Vorteil. Das nachzuholen war den letzten 50 Jahren vor- Men pr behalten, und sie haben es nachdrücklichst gethan. duktions. Da der Ertrag der nationalen Arbeit in Grundrente, Kapital- faktoren. rente, Arbeitsrente, von der sich wiederum der Arbeitslohn aus-