321 8 95. Die wirtschaftlichen Verhältnisse am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Ad. Held, Zwei Bücher zur sozialen Geschichte Englands. Leipzig 1880. Zwischen England und dem europäischen Kontinent ist in der in Betracht zu ziehenden Zeit ein gewaltiger Unterschied zu machen. In dem ersteren Lande hat der Grundherr niemals die unbeschränkte Macht über den Bauern gehabt, wie in Frankreich und Deutschland. Der König hat dort stets unmittelbar seine schützende Hand über dem Bauern gehalten und damit die Bedrückung verhindert, wie sie auf den Kontinent stattfand. Ebenso haben die Städte und Zünfte in England niemals die Unabhängigkeit gehabt, wie bei uns, sondern die letzteren sind stets der Krone konzessionspflichtig gewesen und haben auch des- halb niemals zu dem Zunftzwange ausarten können, wie das hier der Fall gewesen ist. Während des 18. Jahrhunderts verloren all- mählich die zünftlerischen Schranken auch für das Handwerk ihre Bedeutung, während neben dem. Handwerk in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts Hausindustrie und Fabrikbetrieb eine überwiegende Stellung erlangten. Die Ausführungen Adam Smiths selbst, z. B. über die Arbeitsteilung in der Nadelfabrikation, zeigen, daß der maschinelle Betrieb schon erheblichen Umfang gewonnen hatte, und dieser war frei von allen Schranken. Aus Parlamentsberichten geht hervor, daß schon 1738 in der Leinwandindustrie sehr ausgedehnt Kinder und Weiber beschäftigt wurden. Ebenso 1768 in der Seiden- industrie, wo die Arbeiter in Coventrie, die Meister in London lebten, and schon Anfang des Jahrhunderts wurde die Seidenindustrie in ge- schlossenen Fabriken betrieben. In der Mitte des 18, Jahrhunderts lag der Schwerpunkt in der Hausindustrie, während der Handwerkshetrieb ganz zurückgedrängt war. . Seit Cromwells Navigationsakte hatte sich der internationale Handel außerordentlich gehoben, aber der Binnenverkehr war noch wesentlich erschwert. Im Beginne des 18, Jahrhunderts wurden die Warenversendungen zu Lande noch allgemein durch Packpferde bewirkt. Noch in der Mitte des Jahrhunderts brachte man auf diese Weise die Waren aus Sheffield. nach London; erst dann kamen die Wagentransporte auf; aber .im Winter waren in einiger Entfernung von London die Straßen meist unfahrbar. 1765 begann dann durch J. Metcalf der künstliche Wegebau, und zur selben Zeit wurden überall Kanäle durch- zeführt, während die Schiffbarmachung der Flüsse schon seit 1699 größeren Umfang angenommen hatte. Das waren die Grundlagen, durch welche England in der Lage war, die Erfindungen der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sofort in größerer Ausdehnung zu verwerten. In den sechziger Jahren begannen dann die großen Erfindungen. 1765 erfand der Spulmacher Highs die erste Jenny, welche 6 Spindeln zugleich in Thätigkeit setzte, bald darauf 25. 1767 verbesserte Hargraves die Jenny erheblich, während derselbe Highs die „Waterframe“ erfand, eine stärkere Maschine, die durch Wasser oder Dampf betrieben wurde und haltbares Kettengarn aus Baumwolle lieferte, während bisher nur Leinengarn als Ketten gebraucht wurde. Zugleich war damit die Pro- duktion im Großen in Fabriketablissements mittelst Motorkraft ange- nahnt, und der Barbier Arkwright war es, der sich der Erfindungen ANonrad. Grundrifs der nolit. Oekonomie. I. Teil. 4. Aufl. » England. Die Erfin- dungen.