— 338 — Schutzzoll. als Beiträge zur Erkenntnis des ursächlichen Zusammenhanges zu ver- werten sind. Gerade für den Europäer sind die Erfahrungen auf amerikanischem Boden von besonderer Bedeutung, um ihn vor Einseitigkeit und zu weitgehender Generalisierung zu schützen, Während alles bisher über Careys Lehre Gesagte dazu führen mußte, Handelsfreiheit zu verlangen und gemäß dem ausgesprochenen Optimismus in betreff der Entwickelung der Kultur, alles sich selbst zu überlassen, eine staatliche Einmischung für überflüssig und daher schädlich zu halten, gelangt Carey schließlich doch, wie erwähnt, zur Befürwortung eines Schutzzollsystems und zwar, indem er sich auf die Justus von Liebigsche Lehre von der Bodenerschöpfung stützt, Die Natur leiht dem Menschen nur ihre Gaben und verlangt sie zu- Ttück, wenn sie nicht verarmen soll. Der Landwirt, der seine Pro- dukte in entfernte Gegenden abgiebt, führt in den mineralischen Pfianzennährstoffen sein Kapital aus, was zur Erschöpfung seines Bodens führen muß. Deshalb ist es notwendig, in Agrargegenden In- dustrie großzuziehen, dadurch die Bevölkerung zu vermehren und in unmittelbarster Nähe die Produkte des Bodens verzehren zu lassen. Dadurch werden zugleich Transportkosten erspart, Um dieses nun zu erreichen, ist ein Schutz für die aufstrebende Industrie gegen das Ausland notwendig, wo bereits blühende, erstarkte und damit über- legene Geschäftszweige entwickelt sind. Er weist ausdrücklich darauf hin, wie England sich nur durch ein energisches Schutzsystem von der Uebermacht des holländischen Welthandels befreit hat und selbst ein Industrieland geworden ist, welches seinerseits seine Uebermacht die anderen Länder fühlen läßt, gegen welche sie sich schützen müssen. Damit ist Carey in die Fußstapfen Alexander Hamil- tons getreten und ein Genosse Friedrich Lists geworden, Er geht aber über beide hinaus, durch die Forderung eines Ausfuhr- verbotes für Getreide, um der amerikanischen Landwirtschaft ihre Vollkraft zu erhalten. Zwar nicht in dieser letzten Hinsicht, wohl aber in betreff eines Schutzzollsystems haben die Lehren Careys in seiner Heimat allgemeinen Anklang gefunden und praktische Bedeutung gewonnen. $ 100. Heinrich von Thünen. Schuhmacher, Johanr. Heinrich von Thünen, ein Forscherleben. Rostock 1868. Helferich, Tübinger Zeitschrift für Staatswissenschaft 1852. Aeltere Ver- Bisher hatten wir auf die deutsche Litteratur näher einzugehen treter der keine Veranlassung. Nicht daß es an Männern gefehlt hätte, welche Smithschen auf diesem Gebiete gearbeitet und auch etwas geleistet hätten, aber len a. es fehlte ihnen durchaus an Originalität, Für Verbreitung der physio- "kratischen Anschauungen war Johann August Schlettwein (1731—1802) mit umfangreichen Schriften eingetreten, ebenso Schmalz (1760—1831) und andere, ebenso der Schweizer Iselin, ohne indessen eine nachhaltige Bedeutung zu gewinnen. An dem Ausbau der Ad. Smithschen Lehre und vor allem ihrer Verbreitung arbeiteten Chris- tian Jakob Kraus (1753—1807), Johann Friedrich Eusebius Lotz (1771—1838), besonders in seiner Schrift über den Begriff der Polizei und den Umfang der Staatspolizeigewalt 1807, Graf Julius von