— 340 — den Rechnungsbüchern seiner Wirtschaft auf Tellow entnimmt. Wo ihm solche Unterlagen fehlen, setzt er Buchstaben an Stelle der Zahlen und führt damit seine Berechnungen durch. Wie es der Titel besagt, stellt er sich in seinem größeren Werke die Aufgabe, den Einfluß zunächst der Getreidepreise auf den land- wirtschaftlichen Betrieb festzustellen. Hierzu stellt er sich einen durch eine Wüste von der Welt abgeschlossenen isolierten Staat vor, in dem alle natürlichen und volkswirtschaftlichen Verhältnisse als völlig gleich angenommen werden und nun die Wirkung eines einzigen Momentes unter verschiedenen Modifikationen mathematisch berechnet werden kann. So verfolgt er hier den Einfluß der Verschiedenheit der Preise, welche der Landwirt in verschiedenen Entfernungen von der im Zentrum gelegenen Stadt erhält, auf die Wirtschaftssysteme. Dabei legt er die Produktions- wie die Transportkosten in Tellow und in: der Umgegend zu Grunde. Er kommt zu dem Ergebnisse, daß der Landwirt ge- zwungen ist, will er den höchsten Reinertrag erlangen, je nach der Ent- fernung ein ganz verschiedenes Wirtschaftssystem zur Anwendung zu bringen. Je entlegener der Grund und Boden ist, um so extensiver muß gewirtschaftet werden; in der nächsten Umgebung erzielt man dagegen durch den intensivsten Betrieb den höchsten Reinertrag. So bilden sich um die Stadt die verschiedensten Th ünen schen Kreise, die wir im zweiten Teile ausführlicher zu behandeln haben. Ebenso stellt er die Bestimmung der Getreidepreise durch die Beschaffungs- kosten aus den entlegensten Gegenden fest, die noch zur Lieferung des Bedarfs der Stadt herangezogen werden, da deren Produktions- und Transportkosten gedeckt werden müssen. Weit klarer und einfacher wie bei Ricardo tritt in Thünens isoliertem Staate ferner die Entstehung der Grundrente zu Tage, indem die näher gelegenen Ländereien, die die gleichen Preise in der: Stadt erhalten wie die entfernten, bei den geringeren Transportkosten einen Ueberschuß über die gesamten Unkosten erlangen, welcher die Grund- rente bildet. Die Wirkung einer Grundsteuer, welche das ganze Land oder nur einen Teil desselben trifft, läßt sich in dem isolierten Staate ebenso nachweisen wie die eines gesteigerten Arbeitslohnes. Die Wir- kung der Verbesserung der Kommunikationsmittel, welche die Thünen- schen Kreise vollständig verschiebt, ist durch nichts so klar zu er- kennen als durch den Thünenschen Weg; ebenso die Bedeutung ainer Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte, durch welche sie eine größere Transporttähigkeit gewinnen. Weitgehenden Einfluß hat seine Lehre von der Bestimmung der Höhe des Kapitalzinses und des Arbeitslohnes gewonnen. Der erstere wird nach ihm bestimmt durch die Nutzung des zuletzt angelegten Kapitalteiles, der Letztere durch das Mehrerzeugnis, welches der zur Erweiterung des Betriebes zuletzt angestellte Arbeiter liefert. Denn solange wird, nach ihm, die Ausdehnung des Betriebes fortgesetzt werden, als ein Ueberschuß über den Zins, der für das verwendete Kapital gezahlt werden muß, erzielt wird. Und ebenso wird so lange mit der Anstellung neuer Arbeiter vorgegangen, bis der zuletzt heran- gezogene einen Ueberschuß nicht liefert, und dieser letzte Ertrag bildet auch die Grenze für den zu zahlenden Arbeitslohn mit rückwirkender Kraft auf die Gesamtheit der Arbeiter. Unzweifelhaft finden wir in dieser ganzen Lehre den Ausgangspunkt für die neuausgebaute Grenz-