y nutzentheorie der Wiener Schule, Sie ist aber von Anfang an auf nicht aunerhebliche Opposition gestoßen. Das Formalistische in dem ganzen Vorgehen Thünens, das Ein- seitige der mathematischen Methode in ihrer Ausdehnung auf das so unendlich vielgestaltige wirtschaftliche Leben mußte sich bei der weiteren Verwertung auf verwickelte Probleme immer mehr fühlbar machen und sich als unzulänglich erweisen. Am wenigsten ist sein Weg geeignet, auf dem Gebiete der Volkswirtschaftspolitik Klarheit über die Aufgaben von Staat und Gesellschaft zu schaffen und gar ihr dabei bestimmte Grenzen zu ziehen; es zeigt sich vielmehr unthunlich, das Wirtschafts- leben in die mathematische Schablone zu zwängen. Das trat zu Tage, als Thünen es unternahm, eine Formel aufzustellen, nach welcher der Lohn normiert werden sollte, um die Lage der arbeitenden Klasse zu ver- bessern, Schon vor seinem großen Werk hat er in einer Abhandlung „ein Traum ernsten Inhalts‘ 1826 ausgesprochen, daß der Arbeiter einen zu geringen Teil des Nationalertrages erhalte, der Kapitalist einen zu großen, Er steht hier auf dem Malthus-Ricardo’schen Boden, daß der Ar- beiter einstweilen auf zu tiefer Stufe stehe, um von einer Lohnerhöhung etwas anderes zu erwarten als die Vermehrung der Volkszahl. Eine weit- gehende energische Schulbildung der unteren Klassen kann nach ihm hier eine Abhilfe schaffen. Er strebt aber nach einem Wege, schon jetzt die Lage des Arbeiters zu verbessern, besonders ihn in höherem Maße an den Fortschritten der wirtschaftlichen Kultur teilnehmen zu lassen, und sucht deshalb den Anteil festzustellen, den die Arbeitskraft neben Grund und Boden und Kapital an der Werterzeugung der ver- schiedenen Güter hat. Er will damit den naturgemäßen Lohn finden, der ihm nach seiner Leistung mit Recht zukommt, ihm in der Gegen- wart aber, wo das Verhältnis von Angebot und Nachfrage entscheidet, zu Gunsten des Kapitalisten entzogen wird. Bezeichnet man das ge- meinsame Produkt von Kapital und Arbeit mit „P‘“, den zum Unter- halt des Arbeiters nötigen Betrag mit „A“, so berechnet Thünen den naturgemäßen Lohn gleich VAP. Hiernach steigt dann allerdings der Anteil des Arbeiters mıt jeder Zunahme des Ertrages in einer be- stimmten Proportion, und darauf kam es Thünen an. Er war so durchdrungen von der Bedeutung seiner Formel, daß er sie auf seinen Grabstein gesetzt zu haben wünschte, Gerade sie hat aber keine An- hänger gefunden; vor allem, weil der Verschiedenheit der Arbeit und deshalb ihrer Leistung für den Ertrag gar nicht Rechnung getragen wurde, In unserer Eintwickelungsperiode aber differenziert sich die Arbeit immer mehr und damit auch der Anteil, welcher der Arbeits- leistung an dem Gesamtwerte der Produkte zuzusprechen ist. Un- möglich kann hier dieselbe Formel überall zur Anwendung gelangen. Thünens Bedeutung liegt nach allem nicht hier, sondern in der Aufstellung seiner Methode und dem Bilde des isolierten Staates, welches zur Untersuchung verschiedenartigster wirtschaftlicher Probleme An- wendung finden kann. 8 101. Die individualistischen Gegner der Smithschen Schule. a) Jean Charles L6onard, Simonde de Sismondi. Elster, Simonde de Sismondi, Jahrb. f. Nat,-Oekon. N. F., Bd. XIV, 1887, Schon bald nach dem Erscheinen des großen Adam Smithschen Werkes, welches eine fast allgemeine Begeisterung erweckt hatte, Normierung les Arbeits- lohnes.