— 383 — ler ackerbauenden und gewerblichen Vereinigungen dienen. Auch nach Beseitigung des Staates werden die Menschen gesellig zusammen leben, denn die vollkommene Menschlichkeit kann nur in einer Gesellschaft erreicht werden. Nur durch gesellschaftliche Arbeit kann der Mensch die Natur bewältigen. Von dem Joche seiner eigenen Natur wird er nur durch Erziehung und Unterricht frei, wie sie nur in der Gesellschaft möglich ist. Die vollkommene Menschlichkeit kann aber nur in einer freien Gesellschaft erreicht werden. „Meine Menschenwürde besteht darin, daß ich als Mensch berechtigt bin, keinem anderen Menschen zu ge- horchen und nur nach eigenem Gutdünken zu handeln.“ HEine freie Gesellschaft kann nun nicht durch Autorität, sondern nur durch Ver- Tag zusammengehalten werden. Die natürlichen Bedürfnisse, Neigungen und Bestrebungen der Menschen müssen die Grundlage für eine neue Organisation, an Stelle der alten bieten. Das Privateigentum in seiner jetzigen Ausdehnung gehört nur der tieferen Entwickelungsstufe an. An Konsumtionsmitteln wird es auch weiter bestehen, im übrigen aber muß es beseitigt werden und zwar bald, denn die gegenwärtigen Klassen- gegensätze, die das Privateigentum erzeugt hat, sind bereits unhaltbar geworden. Sind die Produktionsmittel Kollektiveigentum der ganzen Gesellschaft geworden, so ist der Ertrag seiner Arbeit jedem Arbeiter gewährleistet, und „Die Gerechtigkeit muß der neuen Welt zur Grund- lage dienen; ohne sie keine Freiheit, kein Gedeihen, kein Friede“. „Der Kollektivismus der künftigen Gesellschaft erfordert keineswegs die Errichtung irgendwelcher höchsten Gewalt. Im Namen der Frei- heit, auf die allein sich eine wirtschaftliche wie eine politische Organisation gründen kann, werden wir immer gegen alles Einspruch erheben, was auch nur von ferne dem Kommunismus oder Staats- sozlalismus ähnlich sieht.“ „Ich will die Organisation der Gesellschaft und des Kollektiv- oder Gesellschaftseigentums von unten nach oben durch die Stimme der freien Vereinigung, nicht von oben nach unten rermittels irgendwelcher Autorität.“ Der Uebergang in die neueste Entwickelungsphase wird nach Bakunin durch eine soziale Revolution erfolgen, die durch die Macht der Dinge herbeigeführt werden wird, aber sehr wohl beschleunigt und arleichtert werden kann. „Die Revolution wird nicht gegen Menschen, sondern gegen Verhältnisse und Dinge wüten.“ „Blutige Revolutionen sind dank der menschlichen Dummheit manchmal notwendig, doch sind sie immer ein Uebel, ein ungebeures Uebel und ein Unglück, größtes Unglück, nicht nur.in Anbetracht der Opfer, sondern auch um. der Reinheit und Vollkommenheit des Zieles willen, in dessen Namen sie stattfinden.“ Im Gegensatz zu Stirner ist hier ein idealer Grundzug nicht zu verkennen, Es wird nur der Menschheit zugemutet, was sie nie and nimmer zu leisten vermag, geschweige denn, daß sie schon jetzt, wie Bakunin meint, dafür reif wäre. Noch mehr ist das‘ von Kropotkin zu sagen, unzweifelhaft der hervorragendsten Persönlichkeit der ganzen Richtung, die aber noch‘ ganz der Gegenwart angehört. Ueber seinen Entwickelungsgang hat er in seinen Memoiren ausführ- lichen und höchst interessanten Aufschluß gegeben. Seine Anschauungen hat er besonders in den folgenden Schriften niedergelegt: Paroles d’un r&volte, 1885 und La conquöte du pain, 1892. Sie sind ausführlich and klar von Eltzbachera, a. O. S. 125 u. w. zusammengefaßt. Wie in der ganzen Natur, so ist auch in der menschlichen Gesellschaft nach