— 384 — seiner Auffassung eine fortdauernde Bewegung und Entwickelung vor- handen, die zu einer immer größeren und allgemeineren Glückseligkeit der Menschheit führt. Der gegenwärtige Zustand ist noch ein sehr unvollkommener, der aber durch Evolution und Revolution sehon in nächster Zeit und allgemein in den vollkommneren des Anarchismus übergeführt werden wird. Zwar erfolgt dies mit zwingender Gewalt von selbst, aber doch kann der Mensch den Uebergang vorbereiten und beschleunigen, was ohne Gewalt maßregeln allerdings nicht möglich ist. Aus dem christlichen Grundsatz: „Thu’ den Andern so, wie Du willst, daß Dir in gleichem Falle geschähe“, den er zum ÄAusgangs- punkt seiner Lehre nimmt, folgert er die Notwendigkeit unbedingter Gleichheit, Billigkeit, Solidarität und Gerechtigkeit. Den jetzigen Staat, die vorhandene Gesetzesordnung sieht er als ein Hemmnis der Ent- wickelung zu einem vollkommneren, glücklicheren Dasein der Menschen an, da sie nur einem kleinen Teil derselben zu gute kommen und nur bestimmt seien, die Privilegien Weniger zu schützen. An die Stelle der herrschenden Rechtsinstitutionen soll ein Gewohnheitsrecht treten, dessen Grundlage der Satz zu bilden hat, daß „Verträge erfüllt werden müssen“ und daß Jeder „ein Recht hat, behaglich zu leben.“ „Durch das Bedürfnis eines Jeden nach Mitarbeit, Hilfe und Zuneigung“ und durch die Furcht vor Ausschließung aus der Gemeinschaft, event. aber auch durch das Eingreifen der einzelnen Bürger würden die Rechts- normen leicht genügend geschützt werden. KEiner Staatsgewalt bedürfe es dazu nicht, denn alle Formen derselben verfallen bald der Ent- artung und werden gemißbraucht. Die gewählte Volksvertretung ist dabei nicht besser, als ein Despot. „Freie Entfaltung der Einzelnen in Gruppen und der Gruppen in Vereinigungen, freie Gliederung vom Einfachen zum Zusammengesetzten nach Bedürfnis und Neigung“ werden nach ihm harmonisch das gesellige Zusammenleben der Menschen in der neuen Gesellschaft gestalten, und kein Zwang wird nötig sein, um den Einzelnen zur Erfüllung der freiwillig eingegangenen Verträge und der Pflichten gegenüber der Gesellschaft anzuhalten. Privateigentum wird völlig beseitigt und durch Gesamteigentum ersetzt, also „kom- munistischer Anarchismus“ ausgebildet. „Den ganzen aufgehäuften Reichtum hat die Arbeit der Gesamtheit erzeugt, die des heutigen Geschlechts wie aller früheren“. .... „Diese Maschine, die von Dir erfunden und für Dich patentiert ist, trägt die Arbeit von fünf oder sechs Geschlechtern in sich; sie hat einen Wert nur als Teil des ungeheuren Ganzen, das wir die Industrie des neunzehnten Jahrhunderts nennen. Schaffe Deine Spitzenklöppelmaschine zu den Papuas nach Neuguinea und sie ist wertlos“. .... „Mit welchem Recht kann sich da irgend Jemand den geringsten Bruchteil dieses ungeheuren Ganzen aneignen und sagen: dies gehört mir und nicht Euch?“ ,.. „Man hat zwischen dem Kapital, das zur Gütererzeugung dient, und dem- jenigen, welches die Notdurft des Lebens befriedigt, unterscheiden wollen und gesagt, die Maschinen, Fabriken und Rohstoffe, die Trans- portmittel so wie Grund und Boden seien bestimmt, Eigentum der Gesamtheit zu werden, dagegen würden die Wohnungen, die bearbeiteten Stoffe, die Kleider und Lebensmittel Privateigentum bleiben. Diese Unterscheidung ist irrig und undurchführbar. Das Haus, das uns be- schützt, die Kohle, ... die Nahrung, die Kleidung, ... ja sogar das Vergnügen, das wir genießen, alles das ist wesentlich für unser Dasein und gerade so notwendig zur erfolgreichen Produktion und zur Weiter-