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        <title>Nationalökonomie</title>
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      <div>— 30 
Betrieb der Fabrik gewonnen werden, All dies giebt dem Lande eine 
Ueberlegenheit allen Konkurrenten gegenüber, die nur ausnahmsweise 
ausgeglichen werden kann. Ebenso verdanken in Deutschland das 
Königreich Sachsen und Westfalen ihre Industrie dem Reichtum an 
unterirdischen Schätzen. Kine blühende Landwirtschaft wird in der 
Lüneburger Haide schwer zu erzielen sein. Ein Boden, wie die russi- 
sche Schwarzerde, die ohne Düngung Jahrzehnte die reichsten Ernten 
zewährt, wird hierin stets eine Ueberlegenheit über minder fruchtbare 
Gegenden bedingen. Wenn man in Finnland in einem Dezennium nur 
auf drei günstige Ernten rechnet, weil die Nachtfröste zu häufig die 
Saaten zerstören, während man in der Umgegend von Neapel in einem 
Jahre dem Boden mit ziemlicher Sicherheit drei Ernten abgewinnen 
kann, so ist dadurch der gewaltige Unterschied gekennzeichnet, den 
die natürlichen Bedingungen der Landwirtschaft als Grundlage ge- 
währen. Doch darf man die Bedeutung derselben für höhere Kultur- 
stufen auch nicht überschätzen. 
Einfluß des Wenn Justus von Liebig einmal sagt: „Immer und zu allen 
Tensohen auf Zeiten ist es der Boden mit seiner Fruchtbarkeit gewesen, der über 
*° 49°. gas Wohl und Wehe seiner Völker entschieden hat“, so ist das für 
Jie neuere Zeit jedenfalls nicht mehr zuzugeben. Der Boden in Baby- 
lonien, Egypten, Griechenland und Spanien ist heute noch ebenso 
fruchtbar, wie vor zweitausend Jahren — obwohl Liebig dieses be- 
streitet —, und doch ist die Blüte jener Länder dahingeschwunden ; 
und sie können heutigen Tages mit von der Natur weit stiefmütter- 
äicher behandelten Ländern nicht konkurrieren. Mexico, Rumänien, die 
Türkei, Polen haben weit fruchtbareren Boden und zum Teil weit güns- 
tigeres Klima als „des heiligen römischen Reiches Sandbüchse“, hinter 
dem sie in wirtschaftlicher Kultur gleichwohl sehr bedeutend zurück- 
stehen. Die Mittel unserer Kulturstufe sind so gewaltige, daß sie dem 
thatkräftigen Menschen die Möglichkeit gewähren, die Ungunst der 
Natur in hohem Maße auszugleichen. Die fruchtbaren Gegenden des 
Öderbruchs und der Weichsel, die holländischen Polder nördlich von 
Groningen und in dem alten Haarlemer Meere sind erst durch mensch- 
liche Kunst und Arbeit dem Wasser abgewonnen. Die Moorgegenden 
bei Groningen sind in derselben Weise in fruchtbares Ackerland ver- 
wandelt; und wohlhabende Dörfer stehen da, wo früher eine Oede war, 
wie sie diesseits der preußischen Grenze unter gleichen Bedingungen 
zum größten Teil noch heute daliegt. Reine Sandschollen sind in 
ler Umgegend von Berlin und Danzig durch Berieselung in äußerst 
fruchtbare Felder verwandelt, wie auch in Flandern reine Sandstrecken 
Jurch intensive Kultur zur Tragung reicher Ernten gebracht sind. Schon 
vor zwei Jahrhunderten hat Frankreich in großer Ausdehnung den 
Mangel an natürlichen Wasserstraßen durch Kanäle zu ersetzen gewußt, 
und heutigen Tages ist man durch die Eisenbahnen imstande, sie noch 
erheblich zu überflügeln. Reiche Industrie hat sich in Sandgegenden 
angesiedelt, wie in Berlin, Luckenwalde und im Gebirgslande wie im 
sächsischen Erzgebirge, dem Schwarzwald, im Jura, und jedes Jahr- 
zehnt eröffnet uns neue Wege, um durch menschliche "Thatkraft zu 
schaffen, was die Natur freiwillig nicht gewährt hat, 
Wir kommen zu dem Ergebnis, daß zwar die natürlichen Ver- 
hältnisse einen großen Einfluß auf die Gestaltung der Volkswirtschaft 
ausüben und der wirtschaftlichen Entwickelung gewisse Grenzen ziehen, 
daß aber, je höher die Kulturstufe ist, um so weiter sich auch der</div>
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