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        <title>Nationalökonomie</title>
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      <div>39 — 
Intellektuelle 
Eigen- 
schaften. 
körperliche Wohl, während man in England und noch besser in der 
Schweiz das Vorbild hat, wie sich Beides vereinigen läßt, den Körper 
und den Geist methodisch zu bilden, ohne geringere Anforderungen an 
geistige Leistungen zu machen als hier, Dies betrifft ebenso das weib- 
liche wie das männliche Geschlecht. Wird bei dem letzteren durch 
die militärische Dienstzeit manches ausgeglichen, so doch gerade nicht 
bei denen, die es am meisten gebrauchen, bei den schwächlichen 
Naturen. Jeder Gynäkologe weiß, daß der Keim zu einer Menge der 
verhängnisvollsten Frauenkrankheiten bei uns in den Mädchenschulen 
durch die übermäßig sitzende Lebensweise bei starker geistiger An- 
strengung gelegt wird. Man ist in den Vereinigten Staaten einig 
darüber, daß sich der Gesundheitszustand der Frauen durch die 
methodische Anwendung des Sports gebessert hat.- 
Der verhängnisvollste Feind jeder Leistungsfähigkeit, der auch 
unter unseren Verhältnissen eine große Gefahr der Degenerierung in 
sich schließt, ist der Alkoholismus. KEin übergroßer Teil der Be- 
völkerung der Gefängnisse, der Irrenanstalten und der Armenhäuser 
ist durch Alkoholismus ia diese Stätten gekommen. Die verheerendste 
Wirkung übt der regelmäßige Konsum des Alkohols als tägliches 
Nahrungsmittel aus, der, wie die medizinische Wissenschaft in der 
neueren Zeit klar gelegt hat, allmählich das Nervensystem zerstört und 
die traurigsten Folgen mit sich bringt. In Deutschland hat zwar im 
Laufe dieses Jahrhunderts die Trunksucht im Sinne des Sichbetrinkens 
abgenommen, der regelmäßige Konsum dagegen. bedenklich zu- 
genommen und bedroht die Leistungsfähigkeit der Bevölkerung in 
hohem Maße. 
Ungleich wichtiger für die Volkswirtschaft als die physische Arbeits- 
kraft ist auf unserer Kulturstufe die intellektuelle Leistungs- 
fähigkeit. Sie wird bedingt durch: 1. das Gedächtnis, 2. die Fassungs- 
gabe, 3. die Formgewandtheit, 4. die Konzentrations- und Kombi- 
nationsgabe. 
Das Gedächtnis ist die Grundlage für die Ansammlung von Er- 
fahrung und Wissen. Ein gutes Gedächtnis wird deshalb die größte 
Erleichterung für jede geistige Ausbildung gewähren. Hierin erscheinen 
nach unserer Beobachtung die Slaven und Romanen den Germanen im 
Durchschnitte erheblich überlegen. Wir finden ein gutes Gedächtnis, 
wenn auch vielleicht nur auf enge Gebiete begrenzt. selbst bei den 
Negern und anderen primitıven Völkerschaften; bei Frauen mehr als 
bei Männern. Ein gutes Gedächtnis ist aber nur ein vorzügliches 
Hilfsmittel und bedingt an und für sich die Leistungsfähigkeit keines- 
wegs. Es erleichtert das Vorwärtskommen in der Schule, besonders 
bei der Erlernung der Sprachen. Daher die häufige Beobachtung, daß 
tüchtige Schüler im späteren Leben doch nicht viel leisten, und um- 
gekehrt infolge ihres schlechten Gedächtnisses nur langsam fort- 
kommende Schüler im späteren Leben sich unerwartet gut bewähren, 
Kant und Helmholtz haben wiederholt über ihr schlechtes Gedächt- 
nis Klage geführt, 
Die schnelle Fassungsgabe ist gleichfalls mehr bei Slaven und 
Romanen als bei den langsamer denkenden Germanen zu finden, Die 
Frau zeigt darin eine eutschiedene Ueberlegenheit über den Mann, der 
mehr Zeit braucht, um sich alles zurechtzulegen und es zu beherrschen; 
ein Vorzug, der aber mehr im gesellschaftlichen Leben, als bei der</div>
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