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        <title>Nationalökonomie</title>
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wirkt werden. In einer Blumenfabrik wird allen Anforderungen am 
besten genügt werden können, wenn das Unternehmen großartig an- 
gelegt ist, alle Arten von Blumen angefertigt werden können; sowohl 
lie Ausnutzung des Materials wird dabei am vollkommensten sein, 
wie auch die Ausbildung der Arbeitskräfte. Kin größeres Kapital wird 
2ine bessere Beherrschung der Verhältnisse ermöglichen, vorhandene 
Schwierigkeiten leichter überwinden können, günstige Konjunkturen im 
Momente auszunutzen vermögen und gegen Mißerfolge eine größere 
Widerstandskraft besitzen. Ganz besonders fällt ins Gewicht, daß 
durch Anwendung der Maschinen die Naturkräfte in höherem Maße 
ausgenutzt werden und überhaupt menschliche Arbeitskraft ersetzt und 
in ihrer Leistung wesentlich gehoben werden kann. Je größer die 
Anlage, je mehr sich gegenseitig ergänzende Maschinen in Thätigkeit 
3aind, um so vollkommener wird der Ersatz der menschlichen Arbeit, 
um so billiger die Gesamtleistung sein. Eine große Dampfmaschine, 
die beständig im Gange ist, arbeitet pro Pferdekraft weit billiger als 
sine kleine, die in einem unbedeutenden Betriebe nicht beständig im 
Gange erhalten werden kann. Eine Spinnerei mit 150000 Spindeln 
produziert billiger, als eine mit nur 20000 Spindeln, Ein großes 
Segel- oder Dampfschiff, das die doppelte, oder gar fünffache Ladung 
aufnehmen kann, bedarf im Verhältnis eine geringere Mannschaft, 
braucht verhältnismäßig weniger Kohlen, befördert die Ladung weit 
billiger als ein kleines Fahrzeug. In den Fabriken und sonstigen 
Großunternehmungen tritt hinzu der billige Einkauf durch Bezug im 
Großen und durch größere Barzahlung, wie ebenso die Absatzerleich- 
terung durch bessere Verwertung der vorhandenen Verkehrsmittel. 
Der Handwerker kann nicht in so ausgedehnter Weise Maschinen 
anwenden wie der Fabrikant, auch wenn er die nötigen Mittel dazu 
hat, sie anzuschaffen, weil er sie nicht beständig ausnutzen kann, 
sondern nur dann, wenn gerade entsprechende Aufträge vorliegen. Kr 
muß Vorräte halten (wie ebenso der kleine Kaufmann), nach denen 
nur selten Nachfrage ist; die Ausnutzung seines Anlagekapitals ist 
daher unvollständig; und verzichtet er auf die Zuhilfenahme der 
modernsten Maschinen, so bleibt seine Leistung unvollkommen und 
wird zu teuer, Um dem Publikum gerecht zu werden, muß der kleine 
Buchbinder sich eine Menge Preßmuster und Clich6s halten, um auch 
zelten geforderte Einbände auf Verlangen liefern zu können, eine 
Schneidemaschine steht bei ihm einen großen Teil des Tages müßig, 
äine Heftmaschine oder gar Umbiegemaschine für den Buchrücken 
macht sich nicht bezahlt, noch viel weniger die anderen Maschinen, die 
in einem fabrikmäßigen Betriebe allgemein zur Anwendung kommen. 
Dem kleinen Mann fehlen die Verbindungen, meistens auch die allgemeine 
kaufmännische Umsicht, sowohl für die Aufündung der richtigen Bezugs- 
quellen, wie für die Heranziehung einer ausgedehnten Kundschaft, 
welche die Fabrik durch Detailreisende zu bewirken vermag. 
Durch all’ die angeführten Momente, die hier nur kurz angedeutet 
werden konnten, ergiebt sich die Ueberlegenheit des Großbetriebes 
über den Kleinbetrieb, welche die Ursache der modernen Entwickelung 
des Fabrikwesens und der großen Unternehmungen ist. 
Grenze des So bedeutsam nach dem Gesagten die Vorteile sind, welche die 
EEE der Konzentrierung von Kapital und Arbeitskräften zu bieten vermag, 
Se so ergiebt sich auch hier eine Grenze, über welche hinaus die Ver- 
einigung, einigung immer größere Gefahren für den Betrieb selbst, wie allgemeine</div>
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