<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Nationalökonomie</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Johannes</forname>
            <surname>Conrad</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>1886436398</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>Re 
der dadurch die größte Absatzfähigkeit besitzt. Dieser Gegenstand 
wird dann nicht nur eingetauscht werden, um ihn unmittelbar in der 
sigenen Wirtschaft zu gebrauchen, sondern auch zu dem besonderen 
Zwecke, ihn für den Moment aufzubewahren, wo man ihn zu einem 
Tauschgeschäft verwenden kann, also als Tauschmittel. Thatsächlich 
Inden wir nun in den verschiedensten Gegenden auf primitiver Kultur- 
stufe sehr verschiedenartige Gegenstände als Tauschmittel in Anwendung, 
je nach den Produktionsbedingungen und den Bedürfnissen des be. 
;reffenden Volkes, Zur Zeit Homers, wie im Beginne des Mittelalters 
auf deutschem Boden ist es das Vieh, welches als solches Tauschmittel 
ine Rolle spielt, indem danach der Wert einer Sklavin, die Höhe 
3iner Strafe etc, bestimmt wird, und das lateinische Wort pecunia 
deutet unzweifelhaft auf den Ursprung des Geldes, nämlich das Vieh 
als erstes Tauschmittel hin. Bei Jägervölkern waren es Tierfelle, gegen 
welche Schießbedarf, z. B. von den Indianern eingetauscht wurde. 
Ebenso Hausgerät, Materialwaren, wie gleichfalls Waffen von den ost- 
asiatischen Stämmen, die mit den Fellen noch im Beginne dieses Jahr- 
hunderts auf dem Wege des Tauschhandels ihre Einkäufe in Kiachta 
and Nischnynowgorod machten. Salztafeln und Kattun dienten früher 
vielfach in Afrika als Umsatzmittel, wie Leinwand im Mittelalter bei 
den slavischen, Wollenzeuge bei den skandinavischen Völkerschaften 
an der Ostsee. Elfenbein, Messingstäbe sind noch heutigen Tages bei 
den Achantis die gangbare Münze; bei den benachbarten Dahomehs 
lie Kaurimuscheln, von denen 40 auf eine Schnur gereiht die Kinheit, 
den String bilden, 50 Strings haben etwa den Wert unserer Mark. Im 
alten Mexiko wurden kleine Säcke mit Kakaobohnen als Tausch. 
mittel für minderwertige Ware angewendet, Federspulen mit Goldstaub, 
kleine Goldklumpen dagegen für wertvollere. Ueberall ist es ein 
Gegenstand, der bei den Beteiligten eine hervorragende Rolle spielt 
and daher von einem Jeden gern genommen wird. ; 
Erstes Mit der Entwickelung der wirtschaftlichen Kultur greift man zu 
Metallgeld. einem immer kostbareren Gegenstand als Tauschmittel, wobei besonders 
die Metalle zur Anwendung kommen. Bei den alten Griechen ist un- 
zweifelhaft das Eisen ursprünglich das allgemeine Umsatzmittel ge- 
wesen. Lykurg griff mit der Einführung des Fisengeldes in Sparta 
nur auf alte Reminiscenzen zurück, Die Chinesen und Malayen haben 
das Zinn zur Ausmünzung benutzt. Viel allgemeiner war die An- 
wendung des Kupfers, welches in den skandinavischen Reichen noch 
im 17, Jahrhundert, in Rußland noch im Beginne des 18. Jahrhunderts 
las hauptsächlichste Münzmaterial bildete, um dann dem Silber 
Platz zu machen, welches in der neuesten Zeit wieder durch das Gold 
verdrängt wird, 
Anfangs wurde das zum Tausch verwendete Metall einfach zu- 
gewogen, wenn auch vielfach schon in verarbeitetem Zustande. Bei 
den Nibelungen werden Spangen, Gold- und Silbergerät zur Zahlung 
benutzt und für größere Leistungen wird ein bestimmtes Gewicht an 
Edelmetall beansprucht, wie auch bei dem Loskaufversuch der Römer 
ron dem Gallier Brennus, Noch jetzt wird im Innern von China und 
Indien auf dem Markte das Silber zum Kaufe zugewogen, welches 
auf einem Ambos mit Messer und Hammer von Silberstangen abge- 
schlagen wird. Auf der Messe in der Stadt Jrbit jenseits des Kaukasus 
zahlten die aus der Mongolei kommenden Kaufleute noch in den acht- 
ziger Jahren mit sogen. Jamben, d. s. Silberstücke in Form von kleinen</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
