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        <title>Nationalökonomie</title>
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            <surname>Conrad</surname>
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      <div>245 —

werden kann, ohne die Grundlagen unserer individualistischen Volkswirtschaft
 anzutasten, wozu wahrlich ein Grund nicht vorliegt.
Ein jedes zu scharfe Vorgehen gegen die Kartelle wird aber
naturgemäß nur die Fusion verallgemeinern, die schon jetzt in England
und den Vereinigten Staaten häufig vorkommt und die bei den Aktiengesellschaften
 leicht auszuführen ist, die aber unzweifelhaft noch größere
Bedenken als die Kartellierung in sich schließt. Die Gesetzgebung
aber würde derselben fast machtlos gegenüber stehen.

Kapitel IX.

8 75.
Die volkswirtschaftlichen Krisen.
a) Historische Uebersicht.
Max Wirth, Die Geschichte der Handelskrisen. Frankfurt 1882,
Neuwirth, Die Spekulationskrisis von 1873. Leipzig 1874.
Schäffle, Der Wiener Krach. Tübinger Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft
 1874.
Wasserrab, Preise und Krisen, Stuttgart 1889.
J. Wolf, Die gegenwärtige Wirtschaftskrisis. Tübingen 1888.
Handw. der Staatsw. Art, Krisen von Herkner,
Rodbertus, Kleine Schriften. Berlin 1890, (Die Handelskrise und die Hypothekennot
 der Grundbanken 1858.)
von Bergmann, Die Wirtschaftskrisen. Geschichte der nat.-ökon. Krisentheorien.
 Stuttgart 1895,
M. von Tugan-Baranowsky, Studien zur Theorie und Geschichte der Handelskrisen
 in England. Jena 1901.
Wirtschaftliche Krisen sind vorübergehende, allgemeinere Stockungen
im volkswirtschaftlichen Leben, die als ein Rückschlag gegenüber besonders
 reger und gewinnbringender Thätigkeit auftreten. Je nach den
Ursachen und der Ausdehnung und je nach den ergriffenen Gebieten
des Wirtschaftslebens unterscheidet man 1. Börsenkrisen und sonstige
Spekulationskrisen, 2. allgemeine Kreditkrisen, 3, Handelskrisen,
4. industrielle Absatzkrisen und 5. Agrarkrisen,
Das Wesen derselben wird am besten erkannt durch Verfolg der
Geschichte derselben und somit der verschiedenen Erscheinungen, die
sich dabei beobachten lassen.
Ein eigentümliches Beispiel einer Börsenkrisis ergab sich schon
1637 in Holland, durch welche der Beweis geliefert ist, daß ein jedes
Objekt für Spekulationszwecke verwertet werden kann, und der Mensch
außerordentlich erfinderisch ist, die verschiedenartigste Gelegenheit
zur Spekulation zu finden, und auf der anderen Seite, daß schon vor
21, Jahrhunderten ähnliche Zeiten schlimmster Spekulationswut vorhanden
 gewesen sind wie Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts,
 und daß die Folgen damals ganz ähnliche waren wie in der
neueren Zeit. In den Niederlanden wurde schon im Beginne des 17.
Jahrhunderts die Tulpe mit besonderer Liebhaberei und in großer
Ausdehnung kultiviert und ein ausgedehnter Handel damit getrieben,
der bald börsenmäßigen Charakter annahm. Im Jahre 1634 gewann
derselbe eine ganz außergewöhnliche Ausdehnung und nahm bereits
Formen an, die sich allgemeiner erst in dem modernen Termingeschäfte
entwickelt haben. Man überbot sich gegenseitig in den Preisen, kaufte

Tulpenmanlıe.</div>
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