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        <title>Nationalökonomie</title>
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8 91.

Der Umschwung der Anschauungenim freihändlerischen
Sinne im Laufe des 18. Jahrhunderts.

Unter dem Einfluß des Merkantilsystems entwickelten sich in
Jen verschiedensten Ländern überaus traurige wirtschaftliche Verhältnisse.
 Besonders schädigend wirkte die Willkür, mit welcher die
wechselnden Staatsmänner in das praktische Leben eingriffen, von
lenen der eine diesen, der andere jenen Gewerbszweig künstlich auf
Kosten eines anderen zu fördern suchte. Die strenge Abgrenzung der
einzelnen Länder und Ländchen gegeneinander, besonders in Deutschland,
machte eine höhere Entwickelung der Industrie unmöglich, während in
einem großen Lande wie Frankreich, wo schon Colbert die inneren
Zollschranken in großer Ausdehnung beseitigt hatte, ganz andere Chancen
vorlagen. Ebenso war in England durch die Beseitigung der Monopole
die Freiheit für die Entwickelung neuer Industriezweige schon seit
Elisabeth ausgesprochen, und da der Bauer dort stets direkt unter dem
Schutze der Krone und unabhängig von dem Adel stand, so konnte
sich auch die Landwirtschaft seit dem Beginne des 18, Jahrhunderts
zu außerordentlicher Blüte emporarbeiten, während die Knechtung und
Ausbeutung des Bauern in Frankreich und Deutschland die Landwirtschaft
 auf tiefster Stufe und Armut zurückhielt, Während in England
das Zunftwesen schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts
jede thatsächliche Bedeutung verloren hatte, und es in Frankreich
lurch Colbert bereits auf das eigentliche Handwerk beschränkt war,
olieb es in Deutschland nicht nur in alter Kraft bestehen, sondern
bildete sich zu immer schlimmerem Zunftzwange aus. Während das
Eingreifen eines Colbert zur Förderung der Industrie höchst segensreich
 wirkte, verkümmerten die Monopolisierungen in dem zersplitterten
Deutschland durch die Unzahl kleiner Herrscher das gesamte Gewerbewesen
 in wachsendem Maße. Die schlimmsten Folgen ergaben sich
aber in Spanien, wo all die merkantilistischen Eingriffe in extremstem
Maße zur Durchführung gelangten. Die künstliche Anhäufung der Edelmetalle
 im Lande entwertete dieselben in der außerordentlichsten
Weise, so daß in den Cortes schon 1594 geklagt wurde, daß der
Wert des Geldes auf den fünften Teil gesunken sei. Infolgedessen
reichten die bisherigen Beamtengehälter zum Leben absolut nicht aus,
und die Folge war eine grenzenlose Korruption der Beamten. Die
extremen Vorschriften zur Knebelung von Handel und Gewerbe waren
nicht durchzuführen und wurden daher infolge Bestechung offenkundig
umgangen. Obgleich bei Todesstrafe das Einlaufen fremder Schiffe
in den drei spanischen Häfen, die für den Verkehr mit den
Kolonien reserviert waren, verboten war, wurden auf einmal 160
fremde Schiffe in einem Hafen mit Beschlag belegt, die unter
falscher Flagge segelten. Die unglaubliche Verschwendung des Hofes
brachte das Land in Schulden und nötigte zu den schärfsten und
selbst unvernünftigsten Steuermaßregeln, so daß man in den Cortes
klagte: wie solle man Handel treiben, wenn man von 1000 Dukaten
Kapital 300 Dukaten Abgaben zahlen müsse, Die Härte der KEintreibung
 war eine um so schlimmere, als ein großer Teil der Steuern
verpachtet war. Gleiches war auch in Frankreich und in Deutschland
zu finden.

Schlimme
Folgen des
Merkantilsystems
 für
die Volkswirtschaft.</div>
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