8 6. Die Ricardo’sche Lehre von der Abnahme der Produktivität des Mehraufwandes, Durch Uebergang zu einer intensiveren Kultur wird unter den entsprechenden natürlichen Bedingungen bis zu einer gewissen Grenze hin eine Erhöhung des Rohertrages erzielt. Wenn man z. B. stärker düngt, eventuell mit Guano, so wird der Ertrag des Weizens wohl von 30 auf 40 Zentner pro Hektar gesteigert werden können, wie ähnlich der der Kartoffeln, der Rüben ete., und der Gesamtertrag vieler Güter ist in den letzten 50 Jahren gerade dadurch, wie uns Beispiele vor- liegen, mehr als verdreifacht. Dieser Erfolg ist aber, wie ausgeführt, nur erreicht durch einen grösseren Aufwand von Arbeit und Kapital, Wirkung höhe-also durch höhere Produktionskosten. Aber es ist nicht nur ein ‚ren Produk- höherer absoluter Aufwand notwendig, um einen grösseren Rohertrag lonsaufwandes„ erzielen, sondern es wird, wie schon Turgot, dann vor allem David Ricardo nachgewiesen haben, auch ein wachsender Prozentsatz des Rohertrages durch die Produktionskosten absorbiert. Das ist allerdings nicht naturgesetzlich aufzufassen, sondern nur als eine Regel, die na- mentlich in der ersten Entwicklung nicht immer eintritt, wohl aber bei einem gewissen Grade der Intensivität des Betriebes. Es kann, um bei unserem Beispiel zu bleiben, der erste Aufwand von Guano sehr wohl die Weizenernte derartig steigern, dass dadurch der Reinertrag nicht nur absolut, sondern auch relativ steigt, wenn der Boden nach seiner ganzen Beschaffenheit eine höhere Ernte liefern konnte, und es ihm nur an Phosphorsäure und Stickstoff fehlte. Wenn man nun aber fortfährt und noch einen weiteren Zentner Guano pro Morgen aufwendet, so wird dadurch der Rohertrag vielleicht noch weiter um einen Zentner gehoben, der schon den Ueberschuss erheblich ver- minderte; der dritte Zentner liefert vielleicht nur noch einen halben oder einen viertel Zentner mehr, wodurch nicht einmal die Kosten ge- deckt werden, und ein weiterer Zentner würde sicher Lagergetreide herbeiführen und sogar den Rohertrag vermindern. Es liegt also eine Grenze vor, über welche hinaus der Aufwand sich nicht mehr bezahlt macht. Dasselbe ist von der Bearbeitung des Bodens zu sagen. Ein Umpflügen des Bodens vor der Saat zum dritten Male kann sich überaus vorteilhaft erweisen; doch ein viertes Mal kann leicht nach- teilig wirken. Man weiss, dass man den Ertrag der Kartoffeln steigern kann, wenn man die Pflanzen weiter auseinandersetzt, sie mit reich- lichem Dünger versieht und jede Pflanze sorgsam behäufelt und von allem Unkraut befreit. Aber auch hier wird bald die Grenze erreicht, wo die grössere Sorgfalt in der Behandlung durch den Mehrertrag nicht mehr bezahlt wird. Jeder Zentner Getreide oder sonstiger Früchte, der über den bisherigen Durchschnittsertrag erzielt werden soll, erfordert also bei sonst gleich gebliebenen Verhältnissen höhere Produktionskosten, und es fragt sich in jedem Falle, ob jener Mehr- aufwand durch den Erlös des Mehrertrages gedeckt wird. Unter sonst gleich gebliebenen Verhältnissen kann daher zu einem intensiveren Betriebe nur bei Erhöhung der Fruchtpreise, Ermässigung der Arbeits- löhne oder Herabsetzung des Kapitalzinses übergegangen werden, wo- durch die Produktionskosten ermässigt, oder der Geldertrag erhöht