25 Gegen diese Grundregel wird aber in der Praxis sehr häufig verstossen und extensive Wirtschaft ohne weiteres als schlechte Wirt- schaft angesehen, intensive als eine gute und intelligent geführte, was grundfalsch ist. Häufig kann man beobachten, dass. Landwirte aus dem Westen, aus Sachsen, Hannover, Mecklenburg in die östlichen Pro- vinzen Preussens kommen, dort für die Güter verhältnismässig hohe Preise zahlen, in der Meinung, durch den intensiveren Betrieb ihrer Heimat auch dort höhere Erträge zu erzielen. Mit der Zeit erfahren sie, dass sie damit schlechte Geschäfte machen, d. h. zu teuer wirt- schaften, weil dort verhältnissmässig mehr Arbeitskräfte gehalten werden müssen, da Ernte und Saat im Herbst viel mehr aneinander rücken, die Viehhaltung sich weit weniger bezahlt macht, weil bei der dünnen Bevölkerung der Absatz schwieriger, die Preise niedriger sind, ausserdem bei dem ungünstigeren Klima mehr Missernten vorkommen, und künstlicher Dünger nicht die gleiche Wirkung hat, als im Westen, Der unzureichende pekuniäre Erfolg führt sie dann erst auf die Thünen’sche Lehre und beweist ihnen ihre Wahrheit. 8 8. Die Thünenschen Kreise in der Wirklichkeit und ihre Modifikationen. v. d. Goltz, Landwirtschaftliche Taxationslehre. Berlin 1882. Ders., Handbuch der landwirtschaftlichen Betriebslehre. Berlin 1886. Wiskemann, Die antike Landwirtschaft und das v. Thünen’sche Gesetz, Leipzig 1859. Die Beobachtung der Wirklichkeit zeigt die Richtigkeit der Im Altertum. Thünenschen Aufstellungen. Wiskemann hat gezeigt, dass im klassischen Altertume sich die Thünenschen Kreise in ihrer Um- lagerung um die grossen Städte nachweisen lassen. In der nächsten Umgebung um Rom blühte vor allem Gemüsebau, Blumenzucht und Geflügelhaltung. Es war der erste Thünensche Kreis. Dann folgte eine intensivere Viehhaltung, die für die damalige Zeit dem Kreise der Fruchtwechselwirtschaft entspricht. Der Kreis des Getreidebaues war hauptsächlich nach Sizilien verlegt, von wo zu Wasser das Haupt- nahrungsmittel nach Rom gebracht wurde, während in den entlegeneren Gegenden Italiens die Weidewirtschaft bestand. . Die gleichen Verhältnisse lassen sich für das Mittelalter nach-Im Mittelalter. weisen. In der nächsten Umgebung von Berlin war. und ist noch heute die freie Wirtschaft gebräuchlich. Dann folgte der Wald. Aus dem weiteren Kreise fand die Lieferung von Butter und Fettvieh statt. Dieser erstreckte sich über die Mark bis nach Mecklenburg hinein. Getreide kam noch aus grössererer Entfernung, das magere Vieh wurde auch noch im 18, Jahrhundert bis aus Polen herangetrieben. Haben sich in der neueren Zeit die Verhältnisse auch ausserordentlich verschoben, SO sind die Grundzüge doch noch jetzt zu beobachten. Um alle grösseren Städte herum blüht Gemüse- und Gartenbau, sind grössere Milchwirtschaften, wie Geflügelhaltungen angesiedelt, und in immer Srösseren Kreisen lagert sich die Fruchtwechselwirtschaft herum, während die extensive Kultur in fernere Gegenden geschoben ist. Wir können jetzt die. ganze civilisierte Welt als einen ge-In der Gegen- Schlossenen Thünen”’schen Staat ansehen. London, oder England über- wart.