33 sich Schon entnehmen, was auch sonst durch die landwirtschaftliche Praxis genugsam erwiesen ist, dass der Vorrat an mineralischen Pflanzennährstoffen im Boden ein ausserordentlich grosser ist, der ganz allmählich durch Verwitterung in löslichen, durch die Pflanze Assimilierbaren Zustand übergeführt wird. Liebig verlangt nun vom Landwirte, dass er diesen Vorrat über- Permanente haupt nicht antasten ‚sondern durch die Wahrung der Statik ihn fortdauerndStatik unnötig vermehren, also auch in jenen Fällen durch reichliche Düngung Ersatz vicliach " schaffen soll, wo ein Effekt auf die Ernte garnicht zu erwarten ist. Denn Paunfich, ° giebt eine Menge Bodenarten, die namentlich an einzelnen Stoffen grossen Reichtum haben, die einen an Kali, die anderen an Phosphorsäure der Kalk, während je nach der Wirtschaftsmethode, wie ausgeführt, bald nur der eine, bald der andere Stoff unersetzt bleibt, also nur teilweise Raubbau getrieben wird und eventuell nur an dem, der in grosser Fülle disponibel ist. Hier gleichwohl die Statik zu wahren ist aber volks- Wirtschaftlich unzulässig. Sie ist zwecklos, weil dadurch die Erträge aicht erhöht werden; denn nur die Düngung steigert die Ernte, welche das gewährt, woran die Pflanzen Mangel leiden. Wirtschaftlich aber oringt ein solches Verfahren Verluste und muss schliesslich ruinös wirken, Der Landwirt kann nur den Dünger anwenden, der sich durch Ernteerhöhung bezahlt macht. Die naturwissenschaftlichen Lehren Liebi g’s sind richtig, seine volkswirtschaftliche Anwendung derselben 3ing aber über das richtige Ziel hinaus und war verfehlt. Lieb ig behauptete aun, dass es nicht möglich sei, einen einmal verarmten Boden ohne übermässige Opfer in kurzer Zeit wieder zur früheren Fruchtbarkeit zu bringen, Das ist nun, sowohl durch einzelne Experimente, wie durch die allgemeine landwirtschaftliche Erfahrung widerlegt. Lawes und Gilbert brachten ein F. eldstück, welches gänzlich ausgesogen war, and nur noch 809 kg Körner und 1369 kg Stroh pro ha. brachte, Schon durch einmalige volle Düngung zu einer Ernte von 2430 kg Körner und 5118 kg Stroh. Der Ersatz der fehlenden Stoffe hatte hier mit einem Schlage die normale Fruchtbarkeit wieder hergestellt, während es viel längere Zeit dauert, einen verwahrlosten verqueckten Boden, also die schlechte physikalische Beschaffenheit, auszugleichen and dadurch die frühere Fruchtbarkeit wieder herzustellen. . Liebig hat aber weiter Bedenken, ob es möglich ist, von aussen die mineralischen Düngestoffe zu beschaffen, um sie dem Boden zuzu- ‘Uhren, Schon eine Vertiefung der Ackerkrume, Bekarrung des Ackers mit Kalkmergel oder Lehm gewähren für lange Zeit Ersatz. Für Kali sind die gewaltigen unterirdischen Kalilager, über die vor Allem Deutschland disponiert, eine unerschöpfliche Quelle. Auch an Ohosphorsäurehaltigen Mineralien fehlt es nicht, wenn sie auch nicht N Solcher Fülle vorhanden sind wie Kali. Besonders bieten aber die Abfälle und der Kloakeninhali der Städte die Möglichkeit eines vollen Wiederersatzes, der allerdings heutigen Tages bei uns noch nicht aus- "eichend benutzt wird, indem noch der grösste Teil des Kloakeninhalts der Städte in die Flüsse geleitet wird, und dem Lande nachhaltig ver- loren geht. L. bezeichnet daher die grossen Städte als Vampyre, Welche dem landwirtschaftlichen Körper die Nährkraft aussaugen. . So lange aber die Landwirtschaft in einer billigeren Weise sich lie Düngstoffe verschaffen kann, als durch die Abfuhr aus den Städten, Conrad, Grundriss d. polit. Oekonamie. II. Teil. 83, Aufl.