16 lich die Aufsaugung der kleinen Leute in grösserer Ausdehnung geschehen Auf die von Knapp angeführten Zahlen legen wir nur wenig Gewicht, Dagegen ist der Gutsbesitzer noch jetzt, und war er früher aus ganz anderen Gründen noch mehr zur Verdrängung der kleinen Häusler und Bauern genötigt, um sich Diebsgesindel vom Halse zu schaffen. Uns ist ein Fall bekannt, wo ein Grossgrundbesitzer mit grossen Opfern ein ganzes Dorf in seinem Walde ausgekauft hat, obgleich es ihm zu bestimmten Zeiten sehr wünschenswerte Arbeitskräfte lieferte, weil die kleinen Häusler und Bauern von ihrem Lande nicht leben konnten und vor allem durch Holzdiebstahl, Wilderen, unberechtigte Ausnutzung von Wiesen und Weiden ihm einen übermässigen Schaden verursachten. Dass die Aufsaugung dieser kleinen Besitzer für die Gesamtheit keinen Schaden verursachte, unterliegt keinem Zweifel. Je weiter man aber in der Zeit zurückgeht, um so schlimmer lagen diese Verhältnisse, und ein grosser Teil dieser kleinen Leute hatte nach der Beseitigung der Erbunterthänigkeit und Dienstpflicht keine Existenzberechtigung. Der Gesetzesact im Beginn des Jahrhunderts darf eben nicht vom modernen Standpunkte aus beurteilt werden, sondern muss von dem der damaligen Zeit betrachtet werden. Dazu kam, dass ein grosser Teil dieser Käthner als Instleute ihre Stellung wesentlich verbesserten, indem sie das ganze Jahr über Beschäftigung und Verdienst erlangten, was ihnen bis dahin fehlte, und durch reichlichen Naturallohn ihr Unterhalt gleichmässig gesichert war. Es ist eine ebenso falsche Auffassung zu meinen, dass sich allgemein die kleinen Häussler besser stehen, als die Instleute der Gutsherren und sie deshalb mit allen Mitteln zu erhalten gewesen seien, wie, dass der kleine Handwerker, der ohne‘ Gehilfen arbeitet, zum Mittelstande gehöre und eine weit bessere Stellung habe, als der Fabrikarbeiter. Der Verfasser ist als Landwirt. ein Jahr lang in der Nieder-Unterschätzunglausitz thätig gewesen, wo sehr allgemein die kleinen selbständigen der Stellung Häusler des Dorfes die hauptsächlichsten Arbeiter des Gutes repräsender Instleute. erten, während er zwei Jahre in der Provinz Posen und Westpreussen auf dem Lande beschäftigt war, wo auf den Gütern der hauptsächlichste Stamm aus besitzlosen in dem Gutsdorfe zur Miete wohenden Instleuten bestand, Trotz der ungünstigeren allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse der östlichen Provinzen standen sich dort die ländlichen Arbeiter erheblich besser, als in der Niederlausitz. Sie waren ungebunden, konnten zu jeder Zeit das Gut verlassen und waren ladurch in der Lage, durch die Konkurrenz höhere Löhne zu erzielen, 1amentlich an Naturalien. In der Niederlausitz waren die Häusler Jlurch ihren Besitz gebunden und völlig von dem Gutsbesitzer abhängig, la sie einen Nebenverdienst haben mussten und ihn nur bei diesem fanden. Aus demselben Grunde standen sich die Instleute in den öst-‚ichen Provinzen weit besser, als die kleinen Häusler in den umliegenden Bauerdörfern, die nur zu gewissen Zeiten in der Ernte mit der Sense, im Herbst namentlich bei der Kartoffelernte, reichlichen Verdienst fanden, in der übrigen Zeit aber ihre Kräfte nur ganz ungenügend zu verwerten vermochten. Da im Beginne des Jahrhunderts der Kartoffelbau aber noch gar keine grössere Ausdehnung hatte, so fehlte in jener Zeit den Häuslern auch noch dieser Verdienst. In den letzten Dezennien haben sich die Verhältnisse der kleinen Grundbesitzer noch dadurch wesentlich gebessert, dass viel mehr Arbeitsge-