— 993 — Trotz der Koalitionsverbote haben sich nun in England schon in dem 18. Jahrhundert fortdauernd Arbeitervereine gebildet, die ‚schon erwähnten Gesellenverbände reichen sogar um mehrere Jahrhunderte zurück, — denn es lassen sich eben geheime Verabredungen nicht unterdrücken. Nur ist es eine Thatsache, dass sie leicht bösartigen Charakter annehmen, wenn sie sich nur im Dunklen entwickeln können, während sie ihre Bösartigkeit verlieren, wenn alle Vorgänge von der hellen Sonne des Tages beleuchtet werden. So zeigt es sich, dass jene alten Verbände sehr zu Gewaltthätigkeiten neigten, die wider- strebenden Elemente mit Gewalt zur Beteiligung zwangen und die Arbeitgeber oft durch Verbrechen schädigten. Man griff daher zu der Beseitigung des Verbotes ausdrücklich in der Hoffnung, dadurch eine Besserung dieser Zustände zu erzielen, die auch durchaus erfüllt wurde. Die ungünstige Lage der Arbeiter konnte eben nur gebessert werden durch eine Organisation derselben zu gemeinsamem Auftreten dem Arbeitgeber gegenüber; und das wurde immer bedeutsamer und notwendiger, je mehr sich der Grossbetrieb ausbildete, und je grösser daher die Zahl der von einem Arbeitgeber beschäftigten Arbeiter war. Traten nun die 100 Arbeiter einer Fabrik geschlossen dem Unter- nehmer mit der Forderung einer Lohnerhöhung, Beseitigung bestimmter Strafbestimmungen oder sonstiger missliebiger Anorduungen gegenüber, so verfügten sie über die gleiche Macht, wie jener, ja vielfach über eine noch grössere, und es war nun für sie möglich, durch ihr ge- schlossenes Vorgehen allmählich ihre Lage zu verbessern. Man muss gestehen, dass es allein dem Gefühl der Gerechtigkeit entspricht, dem Arbeiter diesen Weg frei zu lassen, und dass es begreiflicher Weise die grösste Erbitterung hervorrufen musste, wenn an ihm sein natür- liches Recht vorenthielt, resp. verkümmerte. Freilich führt die Koali- tionsfreiheit für die Klasse der Arbeitgeber grosse Unbequemlichkeiten, ja in der Zeit des Uebergangs nicht unerhebliche Gefahren mit sich. Auf Grund der erlangten Freiheit haben sich dann in allen in betracht kommenden Ländern in wachsendem Masse Arbeitervereine entwickelt, denen wir eine nähere Betrachtung schenken müssen. Am frühesten, und deshalb auch bei weitem am wirkungsvollsten ist die Entwicklung in England gewesen, in den sogenannten Trade- Unions. Zunächst bildeten sie sich als lokale Fachvereine einzelner Gewerke, wie z. B. der Maschinenbauer aus, die dann aber bald eine Zentralisierung suchten, und sich vielfach über ganz England erstreck- ten, mitunter mehrere 100 Zweigvereine umfassend. An die Spitze jedes Vereins wurde ein Vorstand gestellt, der die Interessen der Ge- sammtheit dauernd zu vertreten hatte. Regelmässige Geldbeiträge statteten ihn mit den nötigen Hülfsmitteln aus. Die Aufgaben waren sehr verschiedenartige. Vor allem übernahmen die Vereine die Unterstützung der Mitglieder, also die Ausbildung von Versicherungskassen für Fälle von Krankheit, Tod, namentlich dann von Arbeitslosigkeit, und hierauf wurde sehr bald der Schwerpunkt gelegt, denn hierbei handelt es sich nicht nur um Arbeitslosigkeit in Folge ungünstiger Konjunkturen, son- dern namentlich in Folge von Strikes, und hierauf beruhte allmählich ihre hauptsächlichste Bedeutung. Damit ging Hand in Hand die Or- ganisation eines Arbeitsnachweises, um eine angemessene Verteilung der Arbeitskräfte herbeizuführen, sie aus denjenigen Orten fortzuziehen, LTrade-Unions.