“0 Agrarische Zollforde- rungen. nen Rückgang zu konstatieren. Die Landwirtschaft allein hat in lieser Zeit unter gedrückten Preisen zu leiden gehabt, und so ist gegen- värtig der Gegensatz zwischen Stadt und Land, zwischen den For- lerungen der Landwirtschaft und der Industrie zu immer grösserer Schärfe gelangt. Die erstere wünscht für die Regierung möglichst freie Hand, um in ungünstigen Zeiten eine Zollerhöhung vornehmen zu können, tritt also für den autonomen Tarif ein, oder mindestens für die Fest- :egung eines Minimaltarifes, unter den bei Handelsverträgen nicht gegangen werden darf, während es sich immer deutlicher zeigt, dass die Industrie stabiler Verhältnisse unbedingt bedarf, also Handelsver- träge auf die Dauer nicht entbehren kann. Zugleich macht das Aus- land immer energischer gegen die Erhöhung der Getreidezölle Oppo- sition, so dass bei einer wesentlichen Steigerung vor allen Dingen mit Russland das Zustandekommen eines Vertrages sehr erschwert ist. Es ist abzuwarten, welche Partei das Uebergewicht erlangt, resp. welchen Mittelweg die Reichsregierung durchzusetzen imstande sein wird. S 64. Die volkswirtschaftliche Wirkung des Schutzzolls. Arten der Zale /. Conrad, Die Tarifreform im deutschen Reich. Jahrbücher f. Nat.-Oek., Bd. XXXIIL u. XXXIV. Ders., Der deutsche Getreidezoll und der Getreidepreis, Jahrb, f. Nat.-Oek., N. F., Bd. III. Ders., Schönbergs Handbuch der polit. Oekonomie. Bd. IL, S. 240. Ders. in Beiträgen zur neuesten Handelspolitik Deutschlands. aerausgegeben vom Verein für Sozialpolitik, Bd. I.. Leipzig 1901. LZexis, Die französischen Ausfuhrprämien. Bonn 1870. Matlekowitz, Die Zollpolitik der österreichischen Monarchie und des deutschen Reiches, 1891. Die Anschauungen über die Wirkung der Zölle sind im Laufe ler Zeit etwas modifiziert. Die alte klassische Schule ging davon aus, Jass jeder Zoll als ein Teil der Produktionskosten anzusehen sei und wie diese in dem Preise der Waren zum Ausdruck kommen müsste. Denn sie konstruierte sich überhaupt die wirtschaftlichen Vorgänge ıprioristisch und abstrahierte von den Reibungen des praktischen Lebens, wodurch die wirtschaftlichen Vorgänge ungemein einfach erschienen und der Einfluss jedes Faktors sich anscheinend genau verfolgen und be- :echnen liess, wie die Wirkung eines Stosses auf dem Billard, und so ’olgerte sie die Ueberwälzung der Zölle in der einfachsten Weise bis ıuf den Konsumenten herab. In der neueren Zeit und namentlich ınter dem Kinflusse der mächtigen Persönlichkeit des Reichskanzlers Türsten v. Bismarck ist man in das entgegengesetzte Extrem über- zegangen zu meinen, das Ausland trage, wo nicht ganz, so doch zum zrössten Teil den Zoll; die Wirkung auf das Inland sei daher ausser- )rdentlich überschätzt. Da natürlich diese Grundanschauung von der aöchsten Bedeutung, ja massgebend für die Schutzpolitik ist. so muss darauf des Näheren eingegangen werden. Wir haben bei den Zöllen zu unterscheiden zwischen Ausfuhr-, Durchfuhr- und Eingangszöllen. Die Durchfuhrzölle sind nur als eine Art Wegeabgabe anzusehen, die in dem Zeitalter des Dampfes nicht mehr aufrecht zu erhalten war, wo es allseitig als die Aufgabe angesehen wird, den. Verkehr zu fördern und zu erleichtern. Bei der Mannig- faltigkeit der Verkehrswege konnte die Wirkung der Durchfuhrzölle