369 — grössere Auswahl zu gewähren. Ja es liegt häufig, wie wir sahen, sogar der Schwerpunkt in dieser Händlerthätigkeit, wenn der Uhr- macher, der Klempner ein Warenlager hält und sich selbst in der Hauptsache auf Reparaturen beschränkt. Der Fabrikant schickt seine Reisenden umher, um nach Muster Bestellungen anzunehmen, oder er beschiekt mit seinen Waren die Messen, um dort unmittelbar an Kauf- leute oder Konsumenten zu verkaufen. Auch hier geht die Entwicklung in Deutschland auf eine Verminderung der Arbeitsteilung hin, indem die Fabrikanten durch Annoncen und Reisende unmittelbären Absatz an die Kunden zu erreichen suchen. In diesem letzteren Falle aber bleibt der Fabrikant in seiner Sphäre. Kr verkauft nur das eigene Fabrikat und steht damit in einem Gegensatz zum Kaufmann. Der Sprachge- brauch ist allerdings hier nicht genau, und auch. die Gesetzgebung scheidet hierin nicht strenge. Der Fabrikant wird zugleich als Kauf- mann nach dem Handelsgesetzbuche angesehen und nach dem Handels- gesetze behandelt. Van der Borght hat deshalb zwischen Fabrik- handel und Kaufmannshandel geschieden, doch scheint uns dieses nicht glücklich, weil, wie wir zu zeigen suchten, in jedem Produktionszweige auch kaufmännischer Handel vorkommt. Es kommt nur darauf an, worin der Schwerpunkt der Erwerbsthätigkeit liegt, ob in dem Handel oder in der Produktion. Der selbständige Handel als Beruf hat sich unter Ausbildung der Arbeitsteilung entwickelt und gewinnt eine um so grössere Bedeutung, je mannigfaltiger und komplizierter sich einer- seits der Bedarf, andererseits die Produktion gestaltet. Die Aufgabe des Handels ist, zwischen Produzenten und Kon- sumenten zu vermitteln, soweit die direkte Beziehung sich als unthun- lich oder schwierig erweist. Der Händler hat Vorrat und Bedarf nach Ort und Zeit auszugleichen und in ein richtiges Verhältnis zu bringen. Er bezieht das Getreide aus den verschiedensten Himmelsgegenden, um die grossen Städte, resp. die grossen Mühlen damit zu versorgen. Er speichert es auf, um gegen Ende des Erntejahres Vorräte zu haben und keinen Mangel eintreten zu lassen, bevor die neue Ernte zum Ver- brauche reif ist. Richard Ehrenberg hat nun scheiden wollen zwischen Handel und Spekulation. Handel liegt nach ihm vor, wo es sich um die Öört- liche Ausgleichung handelt, Spekulation, wo die zeitliche Vorsorge ge- troffen wird. Mit Recht hat Cohn dagegen erwidert, dass beide Thätigkeiten nicht zu trennen sind. Schon der einfache Krämer ist nach beiden Richtungen thätig und erfüllt wirtschaftliche Auf- gaben in beiderlei Hinsicht. und jeder Produzent ist zu spekulieren genötigt. Damit ist aber zugleich eingeräumt, dass die Thätigkeit des Kauf- mannes nach beiden Richtungen wirtschaftliche Bedeutung hat. Man hat ferner unterschieden zwischen den Gewerben des Han- Handel und dels und des Verkehrs. Man wird die letzteren als Hilfsgewerbe Verkehr. des Handels bezeichnen müssen, wie dergleichen noch mehrere existieren, wir brauchen nur an die Agentur und Kommissionsthätigkeit zu er- innern, welche ebenso wie die Spedition von dem Handel benutzt wurden. Auch hier haben wir es mit den Ergebnissen erweiterter Arbeitsteilung zu thun, indem Thätigkeiten, die ursprünglich vom Kaufmann besorgt wurden, als selbständige Gewerbe vom Handel sich YJonrad, Grundriss d. nolit. Oekonomie. II. Teil. 3. Aufl. Du