— 410 — Nutzen befördern. Für den Personenverkehr werden die grössten Bequem- lichkeiten hergestellt, wie sie die Neuzeit in den Salon-, Schlaf-, Speisewagen geboten hat. Nicht nur für die Güter ist die. Sicherheit des Transportes er- höht, sondern auch besonders für Personen. Nach Cohn kamen während der Jahre 1846 —55 bei denmit den Diligencen beförderten Personen auf 355 000 Reisende ein Getöteter und schon auf gegen 30000 Reisende ein Ver- wundeter, während auf den französischen Bahnen in den Jahren L835—75 erst auf 5 Mill. Reisende ein Getöteter und auf 580000 ein Verwundeter fiel. Ganz besonders fällt fünftens in das Gewicht die Verbilligung des Transportes. Sax (Schönbergs Handbuch) nimmt an, dass die Kosten der Güterbeförderung gegenüber der Fracht per Achse im Durch- schnitte auf ein Viertel herabgesetzt sind, was wohl noch zu wenig zerechnet ist. Mitte der dreissiger Jahre kostete die Fracht zwischen Jüsseldorf und Elberfeld pro Tonnenkilometer 40 Pf. unserer jetzigen Rechnung; selbst bei Eilgut jetzt 22 Pf. Die gewöhnliche Kohlen- 'racht auf den Bahnen war anfangs 14 Pf., jetzt 2,2 Pf., nach dem Ausnahmetarif sogar 11/, Pf. (Ulrich, Die fortschreitende Ermässigung ler Eisenbahngütertarife. Jahrb. f. Nat.-Oek., 3. F., Bd. I, S. 18.) [n den englischen Postkutschen hatte die Person pro Meile 20, resp. 31 Pf. pro km zu zahlen, jetzt dagegen in der Bahn 4,9 und 8,3, n Preussen je nach der Klasse 2, 4, 6, 8 Pf. Dass hierdurch erst die Freizügigkeit für die grosse Masse der Bevölkerung zur Wahrheit ge- worden ist, liegt auf der Hand; und ebenso, dass erst dadurch die Produktion vieler Gegenstände ermöglicht wurde, ganze Länder neu dem Weltmarkt erschlossen sind, und die Entfernung vom Markte ihre Bedeutung mehr und mehr einbüsste. Die Eisenbahnen haben sechstens den grossen Vorzug, dass sie iast überall angelegt werden können, da man heutigen Tages die gröss- ten Ströme zu überbrücken, die grössten Berge zu durchbohren und auch mit der Bahn zu überschreiten gelernt hat. So gestatten sie die Ausbildung eines Netzes von Verbindungsstrassen, welche das ganze Land zu durchziehen vermag. Aber gleichwohl bedürfen sie nach allen Richtungen einer Ergänzung durch andere Strassen, Wenn man auch anfangs die Eisenbahnen glaubte als öffentliche Strassen im freihändlerischen Sinne behandeln zu können, so lange man ihre volkswirtschaftliche Wirkung nicht zu übersehen vermochte, so hat man sich doch bald überzeugt, dass die Staatsgewalt das Eisen- bahnwesen in der Hand behalten muss, weil der Einfluss der Bahnen auf die ganze Volkswirtschaft ein so bedeutender ist, dass sie einen Staat im Staate zu bilden angethan sind. Staatsaufsicht Schon bei der Anlage der Bahnen ist die Einwirkung des Staates in betr. der nicht zu vermeiden, um nachhaltige Schädigungen zu verhüten. Der Anlage. Bay einer Eisenbahn beansprucht so bedeutende Kapitalien, dass im allgemeinen volkswirtschaftlichen Interesse jeder unnötige Bau und jede Anlage in falscher Richtung vermieden werden muss, zumal eine einmal angelegte Bahn weder umgelegt noch ohne Vergeudung bedeu- tender Kapitalien durch eine andere parallellaufende ersetzt oder er- gänzt werden kann. Auch Zweigbahnen, als sogenannte Sackbahnen verursachen durch den notwendigen Wechsel der Wagen Umstände und Zeitverlust und erfüllen ihren Zweck nicht vollständige. Es ist deshalb