430 — Benutzbarkeit zu jeder Tageszeit. Aufnahme k«Jeiner Be- träge. Verzinsung. ine Sparsteelle auf 28,5 qkm, im Regierungsbezirk Merseburg auf 35,5 qkm kommt, ist im Regierungsbezirk Bromberg dagegen erst auf 254 qkm; in Köslin auf 342 gkm eine Kasse zu finden. In dieser Hinsicht wird die Einrichtung der Postsparkassen am meisten zu leisten vermögen, weil im ganzen Lande der Volksdichtigkeit entsprechend Postbureaus eingerichtet sind; während in Deutschland etwa 7000 An- 1ahmestellen vorhanden sind, existieren 29 000 Postanstalten; ausserdem sönnten die Briefträger noch das Kinsammeln der Sparbeträge über- ıehmen, was namentlich von Scherl mit Recht als besonders wirksam >mpfohlen ist. 2. Die Kassen müssen zu allen gelegenen Zeiten der Arbeiter- slasse zugänglich sein, damit sie ohne Zeitverlust eine Freistunde zur Zinlage oder auch zur Zurückziehung benutzen kann. Auch in dieser Be- nehung wird in Deutschland noch nicht das geleistet, was zu wünschen st, Neuere Angaben in dieser Hinsicht liegen uns nicht vor, aber von den 1878 im deutschen Reiche excel. Bayern und Württemberg vor- aandenen 1886 öffentlichen Sparkassen waren nur 230 täglich, 831 an allen Wochentagen geöffnet, die übrigen nur wenige Tage in der Woche, mitunter sogar nur einen Tag wöchentlich zugänglich. Ausserdem liegen lie betreffenden Stunden meist für den Arbeiter wenig günstig, am Vormittage. In dieser Zeit sind die Stellen dann meist stark belagert, so dass die Abfertigung sehr viel Zeitverlust für den Einleger in sich schliesst. Die in manchen Städten getroffene Einrichtung, dass be- nachbarte Läden die Einlagen aufnehmen, hat doch auch die Schatten- seite, dass dann von diesen für diesen Dienst als Aequivalent Bezug von Waren beansprucht wird, Wenn von deutschen Schriftstellern z. B. Roscher die Einrichtung unseres Sparkassenwesens als ein ganz vorzügliches, den Verhältnissen entsprechendes hingestellt wird, so liegt larin doch eine ganz gewaltige Ueberschätzung. Auch hier bieten die Yostsparkassen die vorzüglichste Ergänzung, da eben die Postbureaus len ganzen Tag geöffnet sind. 3. Auch ganz kleine Summen müssen aufgenommen werden. In Deutschland geht man bis auf eine Mark herunter, in Frankreich bis auf einen Frank, Aber auch diese kleinen Summen haben sich vielfach noch als zu gross erwiesen. Deshalb hat man noch Ergänzungs- sparkassen eingerichtet, indem z. B. in Läden Sparmarken zu 10 Pf. verkauft werden, die in Sparkarten geklebt und dann in den Sparkassen zur Einzahlung acceptiert werden. Solche „Pennysavingbanks“ sind in England eingerichtet, sie existieren aber auch in Deutschland, z. .B. in Darmstadt seit 1880, wo schon in den ersten Jahren auf diese Weise über 50000 Mk. im Jahre den Sparkassen zuflossen. Hierher gehören auch die Schul- und Jugendsparkassen, welche als private Ein- cichtungen durch Annahme auch der kleinsten Beträge durch die Lehrer und Geistlichen die Jugend zum Sparen erziehen sollen. 4. Die Verzinsung und zwar auf Zinseszins muss eine möglichst hohe sein, um einen Reiz zum Sparen auszuüben. Dabei ist es zugleich wichtig, für kleine Beträge, welche auf einen Namen eingetragen sind, eine höhere Verzinsung zu gewähren, als für grosse; einmal um für die ärmere Bevölkerung diesen Reiz möglichst zu erhöhen, auf der anderen Seite eine Ausnutzung der Sparkassen durch. die wohlhabenden Kreise zu verhindern. In dieser Beziehung wird nicht überall mit der