— 463 — nicht mehr ernährt werden, und die Bevölkerung ging in den folgenden Dezennien um mehr als 21!/, Mill. zurück, wodurch sich erst wieder normale Verhältnisse entwickeln konnten, indem jedem Pächter eine grössere Fläche zur Verfügung gestellt wurde, Derselbe Vorgang zeigte sich Anfang der fünfziger Jahre in ausgedehnten Gegenden des west- lichen Süddeutschlands, in Baden, Württemberg, Hessen, wo gleich- falls in reinen Agrardistrikten die Bodenzersplitterung derartig vorge- schritten war, dass nach mehrjährigen Missernten sich unhaltbare Zustände entwickelten, denen die Regierung nur durch Evacuierung des Landes abhelfen konnte, indem sie mit Staatsmitteln die Auswanderung unter- stützte und organisierte, und durch Ankauf der Ländereien und Neu- verteilung des Landes eine Gesundung ‘der Verhältnisse herbeiführte, In den angeführten Fällen war die Kalamität herbeigeführt durch eine zu grosse Menschenzahl, die unter den vorliegenden Verhältnissen sich nicht angemessen zu ernähren vermochte. Der Zustand des Volksmangels wird nun ohne Weiteres anzunehmen sein, wo überhaupt auf den Quadratkilometer nur einzelne Familien angesiedelt sind, also bei einer gewissen absolut geringen Zahl der Volksdichtigkeit. Sobald es sich um eine etwas höhere Kulturstufe handelt, wird die absolute Zahl sich wesentlich erhöhen, denn eine ge- wisse Menschenzahl ist in kondensierterem Zusammenwohnen erforder- lich, um überhaupt Kulturbestrebungen verfolgen zu können. Sie ist die Voraussetzung, um Arbeitsvereinigung und Arbeitsteilung durchzu- führen, wodurch allein höhere Leistungen zu ermöglichen sind. Es gehört schon eine grössere Menschenzahl dazu, um gemeinsam gute Wege her- zustellen und damit den Verkehr zu erleichtern. Entwässerungen und Bewässerungen in .umfassenderem Masse sind nur durch eine grössere Zahl von Arbeitskräften zu bewältigen. Ein wirtschaftlicher Aufschwung ist deshalb unmöglich, so lange die Bevölkerung zu dünn gesäet ist. Noch weniger ist ein geistiger Austausch, Gründung ausreichender Schulen ete, möglich, um geistiges Leben zu verbreiten. Man wird deshalb unter solchen Verhältnissen von Volksmangel sprechen können. Dagegen ist der Zustand der Uebervölkerung absolut nach den vor- liegenden Erfahrungen erst dann vorhanden, wenn eine physische Behin- lerung durch die gedrängt zusammenwohnende Menge entsteht und da- durch ein wirtschaftliches Wirken erschwert und der Eıfolg reduziert wird Abgesehen von jenen extremen Grenzen werden die Begriffe des Relativität des Volksmangels und der Uebervölkerung nur relativ aufzufassen sein. Begriffes Je nach den natürlichen Bedingungen, je nach der geistigen Kultur- stufe und der volkswirtschaftlichen Entwicklung wird eine sehr ver- schiedene Menschenzahl auf der gleichen Fläche angemessene Beschäfti- gung, Verdienst und Unterhalt zu gewinnen vermögen, und es wird auf der anderen Seite eine verschiedene Volksdichtigkeit erforderlich sein, um die vorhandenen Grundlagen ausreichend zu verwerten. Solange die Indianer cin reines Jägervolk waren, brauchten sie sehr ausgedehnte Territorien, um nur einen Stamm von wenigen Familien zu unterhalten. Sie führten deshalb die blutigsten Vertilgungskriege gegen die Nachbar- stämme, um sich- ihre Jagdgründe nicht beschränken zu lassen, sondern sie im Gegenteile noch auszudehnen. Sobald sie dagegen zum Ackerbau übergingen, konnten sie sich mit einer weit kleineren Fläche begnügen and sich darauf viel vzleichmässigyver und reichlieher ernähren Noch