480 in stärkerem Masse gewachsen ist. Die Grundlage hierfür bietet natür- lich die Hebung der persönlichen Leistungsfähigkeit der produktiven Bevölkerung im Durchschnitte, so dass sie mit den vorhandenen Mitteln mehr zu erreichen vermag: in der Landwirtschaft durch ratio- 1ellere Ackerwirtschafi, zweckmässigere Ernährung und Züchtung des Viehstandes, besonders aber durch Beschaffung neuer Hilfsmittel und Entdeckung neuer wirksamerer Wirtschaftsmethoden, in der Industrie lurch Hinzuziehung von Maschienen, Motorkräften, welche die Arbeits- sraft des Einzelnen zu vervielfältigen vermögen. Aber freilich die Schaffung neuer Güter allein ist nicht ausschlaggebend, es muss auch Bedarf hierfür vorhanden sein und dadurch das Produkt einen ent- sprechenden Wert erhalten. Darin lag der Fehler der alten Schule, Malthus und Ricardo an der Spitze, dass sie diesen Bedarf in der Hauptsache als feststehend und beschränkt ansahen, während derselbe namentlich auf einer höheren Kulturstufe fortdauernd an Ausdehnung zewinnen kann und durch die ausserordentliche Entwicklung der Lebensansprüche, namentlich im letzten Jahrhundert, gewonnen hat. Dadurch sind auch der wachsenden Bevölkerung immer neue Aufgaben gestellt, so dass sie trotz der gewaltigen Steigerung der Produktion ausreichende Beschäftigung und Absatz gefunden hat. Aber freilich ist hier noch ein weiteres Moment hinzugetreten, welches gerade in der neueren Zeit immer höhere Bedeutung gewonnen hat, das ist die Arbeit für den Export, indem eine Menge Waren im Auslande einen höheren Wert hatten, und durch den Verkauf in das Ausland die heimische Arbeit besser bezahlt wurde. So ist nach dieser Richtung auch für die Zukunft noch eine bedeutende Ausdehnung möglich und eine Grenze schwer abzusehen. . . Diese erwähnten Momente waren hier nur anzudeuten, nicht aber ausführlich zu behandeln. Dagegen sind zwei Massregeln der un- mittelbaren Finwirkung hier zur Sprache zu bringen, d. s. die staatliche Ehebeschränkung und die Wanderungen, sowohl die Binnenwanderungen zur Ausgleichung der Volksdichtigkeit und Verteilung der Arbeits- kräfte, als auch die Auswanderung als Mittel, die heimische UVeberfülle zu vermindern. Rinspruchs- recht des Staates, Die Ehebeschränkung aus wirtschaftlichen und sanitären Gründen. Ss 89. Schon aus dem bisher Gesagten geht genugsam hervor, von welch’ ausserordentlicher Bedeutung der Akt der Kheschliessung für die Familie ist, welcher dadurch ein neues Glied zuwächst, für die Gemeinde, die möglicherweise mit für den Unterhalt zu sorgen hat, ünd schliesslich für den Staat, denn dessen Gedeihen ist durch die Bevölkerungsverhältnisse bedingt, welche wieder auf der Ehe beruhen, Wenn man daher anerkennt, dass die Gesamtheit wie der Staat höhere Kulturaufgaben zu erfüllen haben, und dass der Staat die Interessen der Gesamtheit zu wahren berufen ist, denen die Privatinteressen unterzu- ırdnen sind, so wird man auch einräumen müssen, dass die Ehe- schliessung nicht als ein Urrecht des Menschen anzusehen und unter allen Umständen seinem freien Ermessen zu überlassen ist. sondern