<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Volkswirtschaftspolitik</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Albert</forname>
            <surname>Hesse</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>1886437130</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>2268 — 
Erste Ent- 
wickelung. 
einflusst. Jedoch sind vereinzelte Versuche schon älteren Datums, 
wie vor allen Dingen die Organisation des grossen Buchdruckerver- 
bandes, der einen Umfang erlangt hat, wie kaum ein anderer Arbeiter- 
verein auf deutschem Boden. Fast zu gleicher Zeit bemächtigten sich 
der Idee die freisinnige politische Partei unter Max Hirsch und 
Franz Dunker, wie die sozialdemokratische unter v. Schweitzer, um 
Jurch die Bildung festorganisierter Vereine den Einfluss der Arbeiter- 
zlasse zu erhöhen. Leider geschah dies in erster Linie, um politische 
Zwecke zu verfolgen, wenn dieselben auch in den Statuten nicht her- 
vortraten. Hauptsächlich machten sie es sich zur Aufgabe, Ver- 
sicherungskassen zu errichten und Bildungszwecke zu verfolgen. Da- 
mit ging Hand in Hand die Unterstützung von Arbeitseinstellungen 
and die Förderung der politischen Bewegung; die ersteren in fort- 
schrittlicher Richtung, die anderen in * suzialdemokratischer. Die 
Letzteren verhielten sich zunächst völlig ablehnend der Schulze-Delitzsch- 
schen Genossenschaftsbewegung gegenüber, indem sie von derselben eine 
Beeinträchtigung ihrer politischen Agitation befürchteten, von der sie sich 
allein einen wesentlichen Erfolg versprachen. Die Lehren Lassalles 
vom ehernen Lohngesetz, später die Karl Marx’ auf Grund der 
materialistischen Geschichtsauffassung liessen ihre Anhänger in dem 
Zustande wirtschaftlicher Freiheit von der wirtschaftlichen Genossen- 
schaftsbewegung nichts erhoffen, weil dem herrschenden Kapitalismus 
zegenüber die Arbeiterklasse machtlos sei. Nur durch die Erlangung der 
politischen Macht glaubten sie überhaupt eine Besserung erreichen zu 
können. Der Schwerpunkt wurde daher allein in die politische Agitation 
gelegt, um eine Vermehrung der Wahlstimmen für die Volksvertretung 
zu erlangen, nachdem für den Reichstag das allgemeine gleiche Stimm- 
recht gewonnen war. 
Dasselbe ist zu sagen von den, neben den Schweizerschen, bald 
darauf gegründeten Marxistischen Vereinen, die sich in Gotha 1875 auf 
der dort abgehaltenen Gewerkschaftskonferenz mit jenen vereinigten. 
Das am 21. Oktober 1878 erlassene Sozialistengesetz brachte zunächst 
eine völlige Stockung in die ganze Bewegung hinein, weil die aus- 
führenden Polizeiorgane ihre Massregeln nicht, wie es das Gesetz ver- 
langte, auf diejenigen Vereine beschränkten, welche „auf den Umsturz 
der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung gerichtet“ waren, 
sondern überhaupt alle Arbeitervereine im höchsten Masse bedrückten. 
Wurden doch durch den Strikeerlass des Ministers von Puttkammer 
vom 11. April 1886 Strikes als revolutionäre Bestrebungen bezeichnet, 
die nach dem Sozialistengesetz zu behandeln seien; ein schlagender 
Beleg von der unglaublichen Unkenntnis der höheren Regierungsorgane 
über die modernen volkswirtschaftlichen Vorgänge, und der Rücksichts- 
losigkeit, mit welcher man der Arbeiterklasse gegenübertrat. Zu diesen 
beiden erwähnten Richtungen gesellte sich Anfang der achtziger Jahre 
noch eine dritte Kategorie hinzu, die der christlich-sozialen oder einfach 
christlichen Gewerkvereine, welche das politische Moment beiseite 
liessen, dafür die religiöse Seite mit in ihr Programm aufnahmen, unter 
denen die evangelischen Arbeitervereine insbesondere durch den Hof- 
prediger Stöcker ins Leben gerufen und gefördert wurden. 
Al die bisher betrachteten Vereine unterschieden sich wesentlich 
von den englischen dadurch, dass sie sich nicht die unmittelbarer</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
