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        <title>Volkswirtschaftspolitik</title>
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Steuerbelastung aufgefasst und empfunden, wie die später erlangten
Zahlungen nicht in dem vollen Bewusstsein eines selbsterworbenen
Rechtes empfangen werden, sondern leicht den Charakter einer Wohlthat
 erhalten. Ganz besonders liegt die Gefahr vor, dass die Bevölkerung
 nicht mit warmem Interesse für die Kasse eintritt und
sie vor allen Schädigungen durch Missbränche zu bewahren sucht, sondern,
 dass sie ihr als einer erzwungenen Staatseinrichtung feindlich
gegenübersteht und sie nur möglichst auszubeuten trachtet. In den
freiwilligen Kassen der Arbeitervereine hat jedes Mitglied das Bewusstsein,
 dass eine unberechtigte Zahlung ihm selbst eine Schädigung
bringt. Jeder fühlt sich berechtigt und verpflichtet, eine Kontrolle
über die Handhabung auszuüben und jedem Missbrauch entschieden
entgegenzutreten. Die Arbeiter selbst sind am meisten, ja vielfach
allein imstande, die Verhältnisse ihrer Mitarbeiter ausreichend zu kontrollieren,
 Berechtigtes von WUnberechtigtem zu scheiden. Unter
ihnen wird es sehr schnell bekannt, ob ein Unfall wirklich nachhaltige
Arbeitsunfähigkeit mit sich gebracht hat oder nicht; ob eine langwierige
 Krankheit noch fortwährt oder überwunden ist, Altersschwäche
eingetreten ist oder nicht. Dabei ist der Arbeiter in der Beurteilung
seinesgleichen, wo sein eigenes Interesse im Spiele ist, ungleich rücksichtsloser
 und härter, als es Arbeitgeber und Unbeteiligte sein können
und thatsächlich sind. Die freiwilligen Kassen werden daher mit
einer ungleich grösseren Sparsamkeit durchgeführt und vor Missbrauch
bewahrt, wie das bei Zwangskassen irgend möglich ist. Während
bei den ersteren die Mitglieder sich auch mit spärlichen Abschlagszahlungen
 gerne begnügen, wenn sie sich überzeugen, dass die Kasse
nicht mehr leisten kann, ruft es bei den letzteren Unzufriedenheit,
Misstrauen und Opposition hervor, wenn die Zahlungen nicht derart
sind, dass sie allen Anforderungen genügen, und die Begehrlichkeit
der Arbeiter wird dabei fortdauernd gesteigert. Es ist deshalb vollständig
 richtig, dass man in Deutschland durch die Versicherung noch
aicht eine grössere Zufriedenheit und dankbare Anerkennung der
Leistungen durch den Staat erreicht hat. Aber wie Kaiser Wilhelm I.
in seiner berühmten Botschaft von 1881 ausdrücklich aussprach, es
handelt sich nicht darum, Dank einzuernten. sondern nur eine christliche
 Menschenpflicht zu erfüllen.
Die Zwangsversicherung bringt die Gefahr mit sich, dass die
Bevölkerung sich noch in höherem Masse daran gewöhnt, die Fürsorge
für die Zukunft nicht selbst zu übernehmen, sondern den öffentlichen
Einrichtungen zu überlassen. Dazu kommt, dass die Versicherungsyeiträge
 die Sparfähigkeit der Bevölkerung entsprechend schwächen und
lurch beides das individuelle Sparen, wo nicht eingeschränkt, so doch
‘n der sonst zu erwartenden Entwickelung gehemmt wird. Das ist aber
sicher beklagenswert; denn dadurch wird auch die individualisierte
Verwendung des KErsparten behindert. Wer wollte leugnen, dass
mancher Arbeiter sich besser dabei stände, wenn er die zur Versicherung
 gezahlten Beiträge selbst angesammelt und auf seine alten
Tage dazu benutzt hätte, sich durch Ankauf eines kleinen Grundstücks
 oder Häuschens, Einrichtung einer Werkstatt, eines Ladens ete.
selbständig zu machen. Ist dieses durch freiwilligen Beitritt zu einer
Kasse bewirkt, so wird es weniger zum Bewusstseiu kommen und</div>
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