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        <title>Volkswirtschaftspolitik</title>
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      <div>— 492 _— 
schon früher ausgeführt, Anfang der fünfziger Jahre in Hessen, cin- 
zelnen Teilen Badens und Württembergs, als infolge einer Reihe von 
Missernten unter starker Bodenzersplitterung die Agrarbevölkerung in 
Not geraten war. Ebenso verfuhr man in England zur Zeit des 
amerikanischen Bürgerkrieges, als in den Distrikten der Baumwollen- 
industrie in Manchester, Lancaster u. s. w. aus Mangel an Rohmaterial 
die Beschäftigungslosigkeit grosse Dimensionen angenommen hatte, 
durch Organisierung der Auswanderung nach Australien. Haupt- 
sächlich durch private Unterstützungen ist in den achtziger Jahren die 
Auswanderung der Juden aus Russland nach Amerika gefördert, um der 
dortigen Unterdrückung zu entgehen. Hier kann unter solchen Verhältnissen 
die Fortschaffung einer grossen Zahl von Menschen ein grosser Segen 
und.das beste Mittel sein, in kurzer Zeit normale Zustände herzustellen. 
Folgen chro- Ganz anderen Charakter hat die chronische Auswanderung, Bei 
scher Aus- Sonst normalen Verhältnissen verhindert sie erfahrungsgemäss nicht 
wanderung. eine starke Volkszunahme und auch keineswegs die Bildung eines 
Proletariats. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts hatten 
lie Länder mit der stärksten Auswanderung wie England und Deutsch- 
ıand gleichwohl die stärkste Bevölkerungszunahme in Europa. Irland 
ist. das einzige Land, wo der Abfluss an Menschen so bedeutend war, 
lass bis in die letzten Jahre hin die Bevölkerung sich fortdauernd 
verminderte. Aber schwerlich werden die dortigen Verhältnisse .als 
normale anzusehen sein, vielmehr als exceptionelle. Es ist ferner sehr 
zu beachten, dass erfahrungsgemäss die Menschen hauptsächlich in dem 
leistungsfähigsten Alter auswandern, mehr Männer als Frauen, während 
Leute mit abnehmender Lebenskraft und ganz jugendliche Individuen 
diesen Schritt weit seltener unternehmen. Gerade diese sind. aber in der 
überwiegenden Mehrzahl auch in der Heimat in der Lage, sich ihren 
Unterhalt zu verdienen, während die Zurückbleibenden zum Teil auf 
lie Unterstützung Anderer angewiesen sind. Es wandern ferner nicht 
diejenigen aus, die sich in dem Zustande der Bedürftigkeit befinden, 
da sie eben nicht die dazu nötigen Mittel haben; denn es gehört im 
allgemeinen eine verhältnismässig hohe Summe Geldes dazu, überhaupt 
auswandern zu können. Es ist deshalb dadurch eine Erleichterung 
der Armenkasse nicht zu erwarten. Es wandern auch nicht die 
Kranken und Krüppel aus, sondern die Gesunden, und ferner nicht die 
apathischen und trägen, sondern die energischeren, tüchtigeren Naturen, 
die schon: im Inlande imstande waren, sich ein kleines Kapital zu 
erarbeiten, die das Streben haben, sich empor zu arbeiten und auf 
Grund ihrer Leistungsfähigkeit hoffen, sich in der neuen Heimat eine 
höhere Lebensstellung erringen zu können. Es sind deshalb keines- 
wegs die schlechteren Elemente, die auswandern, sondern weit eher 
die tüchtigeren. Kommt es natürlich auch vor, dass entgleiste Elemente 
sich durch Auswanderung einer Strafe entziehen wollen, und Verarmte 
die Ueberfahrt durch Uebernahme von Diensten auf den Schiffen er- 
reichen, so ist dies doch eine Ausnahme. 
Im ganzen ist der Verlust an Arbeitskraft und Volksvermögen 
durch permanente Auswanderung für ‚das Mutterland im allgemeinen 
erheblich grösser als der Vorteil der verminderten Konkurrenz für 
die Zurückbleibenden, Der Statistiker Engel hat das bare Geld, 
welches der deutsche Auswanderer durchschnittlich mitnimmt, auf gegen</div>
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