17 lichkeit stehen aber derselben große Schwierigkeiten entgegen, die niemals ganz zu überwinden sind. . 1. Können viele ihr Einkommen nicht angeben, weil sie es nicht wissen, Nicht nur der Arbeiter, sondern auch der kleine Handwerker, der Bauer, Beamte und manche andere geben sich sehr allgemein gar keine Rechenschaft über ihre Jahreseinnahmen und -ausgaben, sondern leben aus der Hand in den Mund. Auch bei großen Unternehmungen mit fortdauernden Schwankungen der Reinerträge, wie bei Gutsbesitzern, Fabrikanten, Kaufleuten, Bankiers, ist es schwierig, das Einkommen korrekt festzustellen. 2. Wollen die meisten ihr Einkommen nicht augeben,. und dies fällt schwer ins Gewicht. Die Abneigung, dem Staate zu geben, was ihm gebührt, die Furcht. mehr zu geben als Andere, die (Heheimniskrämerei aus Scheu, Andere einen Einblick in die eigenen Einkommensund Vermögensverhältnisse tun zu lassen, sind allgemein verbreitet. 3. Tritt die Unmöglichkeit einer genauen Ermittelung der Einkommensverhältnisse für einen Außenstehenden hinzu, also für die Behörden. Die Schätzungen durch Kommissionen haben sich allgemein als trügerisch und unzureichend herausgestellt. Infulge dieser Schwierigkeiten ist es nicht möglich, durch eine einzige allgemeine Einkommensteuer zum Ziele zu gelangen, wie die Erfahrung allgemein gezeigt hat. Man sieht sich vielmehr genötigt, ein System von Steuern zu konstruieren, welche sich gegenseitig ergänzen und dasselbe Objekt von verschiedenen Seiten erfassen. Es tritt aber noch ein 4. Punkt hinzu, nämlich daß der Staat wohl sagen kann, wer die Steuer zahlen soll, aber nicht genau bestimmen kann, wer sie tragen wird, und deshalb ist auch die Frage der VUeberwälzung der Steuern zu erörtern. ; Jeder Steuerzahler hat das natürliche Streben, die Steuerlast abzuwälzen. Wie weit nun die Möglichkeit dazu vorliegt, ist verschieden beurteilt. Die Freihandelsschule, dann J. G. Hoffmann, Lorenz von Stein, von praktischen Staatsmännern Thiers und Bismarck, nahmen an, daß eine jede Steuer abgewälzt werden kann und tatsächlich fortdauernd abgewälzt wird. Der Verkehr bietet nach dieser Auffassung dazu fortdauernd Gelegenheit, da die Steuer als ein. Teil der Produktionskosten anzusehen ist und überall in den Preisen zum Ausdruck kommt. Der volkswirtschaftliche Umsatz bewirkt daher, daß die Last zu allgemeiner angemessener Verteilung gelangt. Wer am meisten überbürdet ist und den Druck empfindlich spürt, strengt sich um so energischer an, das Uebermaß auf andere Schultern zu übertragen, so daß, je länger die Steuer besteht, sie sich um so mehr allen Verhältnissen anpaßt und am leichtesten getragen wird. Mit andern Worten: die alte Steuer ist die beste. Auf der andern Seite stehen Eisenhart, Held, Adolf Wagner, welche nur die indirekten Steuern für abwälzbar halten, die direkten dagegen nicht. Uns will scheinen, daß beide Auffassungen an Kinseitigkeit leiden; vielmehr ist im einzelnen Falle die Wirkung nur selten vorher genau zu bestimmen, denn die Abwälzung ist eine Machtfrage, und es ist keineswegs leicht festzustellen, welcher Teil der sich gegenüberstehenden Parteien nach Auflegung der Steuer die Uebermacht haben wird und infolgedessen die Abwälzung bewirken kann. Kaizl meint, nur eine ungleiche Steuerbelastung führe zur Abwälzung, die Ungerechtigkeit werde tief empfunden und sporne zu Conrad, Grundriß der polit. Oekonomie. IM. Teil. 4. Aufl. ’